b. Nachdem nun festgestellt wurde, wer nicht zu den altendeutschen Kameralisten gehört, bliebe also zu untersuchen,wer zu ihnen zu zählen ist. Es wird deshalb die Literatur dieserZeit sorgfältig zu prüfen sein. Wir müssen uns nochmals klarmachen, daß erst die Geschichte diesen Namen einer Gruppevon Autoren verlieh, die sich damals nicht so nannten, ohne ge-nau zu bezeichnen, wer zu ihnen gehört. Es mußte deshalb imersten Teil ein genauer Begriff des Typus »Kameralist « gebildet,gleichsam ein Bild rekonstruiert werden, an dem nun zu messenist, ob alle als »Kameralisten« hie und da Bezeichneten es wirklichsind. Ebenso wie dies nicht der Fall ist, wie wir verschiedene Au-toren ausmerzen mußten, so ist es denkbar, daß wir solche hin-zuzählen müssen, die man bisher nicht dazu rechnete, oder dieman überhaupt nicht kannte. Voraus bemerkt werden muß, daßauch die Schriftsteller, die wir nun als alte deutsche Kamera-listen betrachten werden, keineswegs in allen Anschauungenübereinstimmen; ist es doch ein Zeitraum von fast zweihundertJahren, in dem sie wirken.
Als Vorgänger der alten deutschen Kameralisten möchte ichdie Autoren der Sächsischen Münzschriften ansehen, die um1530 erschienen; denn es scheinen mir bei ihnen gewisse Momentevorhanden zu sein, die wir später in verstärktem Maße wieder-finden. Während die Schrift »Die Münz Belangende Antwort undbericht« usw. mit den kameralistischen viele verwandte Züge auf-weist, ist dies bei den beiden anderen, den Albertinischen : »Ge-meine Stymmen von der Münze« und der »Apologia und Verant-wortung des / was wider das Büchlein der gemeinen stimmen /im druck ausgangen« nicht so der Fall, und ein Zusammenhangschwerer zu konstruieren. Ein wichtiges Moment ist beiden ge-meinsam: sie sind offiziös. Als man 1530 im ernestinischen Sachsendie Münze verringern wollte, traten die Albertiner unter HerzogGeorg dagegen auf; als Kampfschrift erschienen in seinem Auf-träge die »Gemeine Stymmen«, die eine Münzverschlechterungenergisch bekämpften. Die Erwiderung der Gegner blieb nichtaus, was »Die Münz Belangende Antwort« beweist, die ganz inernestinischem Sinn gehalten ist, der dann wieder die »Apologia«entgegentrat. So haben wir hier in Sachsen um 1530 die erstenvolkswirtschaftlichen Kämpfe; stand doch das Land, in demein Luther, ein Melanchthon, ein Lucas Cranach wirkten, in Deutsch-land in der Kultur voran. Nur so lassen sich diese Debatten er-klären. Nun kommt für uns nicht in Frage, wie sich die ano-
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