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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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nymen Autoren zur Verschlechterung des Geldes stellen, das istnicht das Kriterium ihrer Zugehörigkeit zu den alten Kameralisten.Wenn sie sich auch beide in der Frage um die Münze scharf be-kämpfen und oft ganz verschiedenen volkswirtschaftlichen An-sichten huldigen, zeigen sie doch so viel Berührungspunkte mitden Kameralisten, daß wir es wagen können, sie wenigstens alsVorläufer anzusehen. Beiden gemeinsam ist die Beziehung zuden Fürsten, die die Schrift woran wohl kaum Zweifel seinkann*) veranlaßt haben. Während aber der Ernestiner nochsehr fiskalistisch gesinnt ist, und bei ihm noch das Privat- undVolkswirtschaftliche ineinander übergeht, müssen wir bei demAlbertiner den weiten Blick bewundern, der ihn den erstendeutschen Nationalökonomen an die Seite stellt. Mit Recht sagtRoscher: »Unser Deutschland mag stolz darauf sein, schon zwei-undzwanzig Jahre vor Sir Walter Raleigh einen so großen National-ökonomen aufweisen zu können, einen Mann zugleich, welcherdurch und durch originaldeutsch ist« 111 ). Er war einer von denwenigen, denen schon damals in Deutschland das merkanti-listische Ideal vorschwebte: eine große geeinte deutsche Volks-wirtschaft, während man im Nachbarland der Ernestiner noch nichtzwischen Fürsten - und Volksinteresse zu trennen wußte; aber erwar zu früh gekommen, denn noch folgte man denen, die sodachten wie der Anonymus im ernestinischen Sachsen. »Wir ge-wahren, daß in jener Epoche, in der für das Reich zu einer groß-artig merkantilistischen Politik der rechte Moment gewesen wäre,Gesichtspunkte auftauchen, die den Grundideen des anderwärts er-folgreichen Merkantilismus verwandt sind. Aber es fehlt noch an kraft-vollen Organen, diese Idee im großen Stile durch eine nationale,positive Politik zugunsten der Exportgewerbe zu handhaben; soverkrüppelte denn der merkantilistische Gedanke in Befürwortungder Münzverschlechterungen, in einem polizeilichen Fernhalten aus-ländischer Luxuswaren zugunsten der primitiven einheimischenTechnik der Zünfte« (Lotz 112 ). Der Ernestiner huldigt den An-schauungen, die man seit Adam Smith für typisch merkanti-listisch hielt, so sagt er: »das reichthumb / das ist Gelt« 113 ); vonall dem ist der Albertiner frei, dessen Ausführungen über Münz-verschlechterungen noch heute aktuell sind. Trotzdem will ichauch ihn zu den Kameralisten zählen, nur müßte man ihn amSchluß, nicht am Anfang des Berichts betrachten, denn auf die

*) So spricht Lotz in seiner Ausgabe der drei Münzschriften auch immer voneinem »Officiosus«.

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