Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Erstes Kapitel.

Die drei sächsischen Münzschriften.

Ehe wir die einzelnen Schriften*) betrachten, ist es nötig,uns über die Gründe ihrer Entstehung in Kürze zu informieren.Ich folge dabei den Lötzschen Ausführungen 1 ). Bei den zer-rissenen Verhältnissen in ganz Deutschland hatte sich überall dieMünze verschlechtert, die Fürsten betrachteten diese Verringerungenals gute Einnahmequellen. So auch in Sachsen, wo aber frühzeitigVerbesserungsversuche angestellt wurden. Kurfürst Friedrich derWeise und Herzog Georg beschließen deshalb 1485, die Bergwerkegemeinsam zu betreiben und die Münze gemeinsam auszuprägen.Nach dem Tode des weisen Kurfürsten 1525 vertrat sein Nach-folger, Johann der Beständige , die Idee der Münzverschlechte-rung, der Herzog Georg aber wenn auch nach einigem Zögernentgegentrat. Bei mehreren Unterredungen der Fürsten kamkeine Einigung zustande; man trennte die Münzprägung, der Kur-fürst von Sachsen errichtete in Zwickau eine neue Münzstätte,die Albertiner prägten in Schneeberg weiter. Da erschien 1530zuerst auf Georgs Seite die Schrift »Gemeine Stymmen«, der vonden Ernestinern mit einer anderen geantwortet wurde, worauf dieAlbertiner ihre »Apologia« veröffentlichten und energisch denStandpunkt der Erhaltung einer guten Münze vertraten. Trotzdemmußte Georg schon 1531 den Ständen nachgeben und auch seineMünze um »ein halbes Ort« verringern lassen. Erst KurfürstMoritz, dem ersten der Albertiner, gelang es in seiner Münzordnung1549 die Münzvereinigung mit den Ernestinern zu beseitigen, undindem er an der geringen Verschlechterung Georgs festhielt, ruhigeZustände zu schaffen.

*) Ich erinnere daran, daß wir diese ältesten Dokumente deutsch -nationalökono-mischer Debatten in einer Ausgabe von Lotz (Brentano-Lesersche Sammlung,Bd. 2) besitzen; deshalb gebe ich sie nur im Exzerpt, soweit sie für diese Arbeit, be-sonders als Vorarbeit für den III. Teil nötig sind, wieder, und auch aus dem Grunde,um einmal möglichst vollständig die alten deutschen Kameralisten und ihre Vorläuferzusammenzufassen. Ich benutzte hierzu die Originale der Kgl. Bibliothek in Berlin