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In der Zeit da die Anonymi schrieben, war alles noch imWerden begriffen: der Merkantilismus begann erst seinen Zugdurch die Welt, und die Institutionen, die er schuf, lagen noch inden ersten Anfängen. Wir finden aber in diesen Münzschriftentrotz aller Gegensätze soviel Anschauungen und Argumente, diemit denen der Kameralisten übereinstimmen, daß wir diese apo-kryphen Münzautoren wohl als Vorläufer betrachtenkönnen.
i. Gemeine Stymmen Von der Münze. 1530.
»Da Gott der allmechtig den menschen schuff / schuff er jnfrey / niemands vnterthan / ader zu jchtwas vorbunden / dannallein Gott gehorsam zusein / Aber sobaldt der mensch den ge-horsam Gottes vbertretten / so hat Gott die Obirkeit vororden t /Dann do Eva Adam zufalle bracht / davon wir alle mit dem vbelder Sünden befleckt / do sprach und gebott Gott Eve / sie soltunterthan sein dem manne / und erfolget also hieraus / das Gottdie Obirkeit und alle Gwalt / die allein / wie wir wissen / vonGotte ist / umb bosheit willen der menschen geschaffen / der auchordentlich befolhen hat / das die unterthanen der Obirkeit / sollengehorsam sein / in allen ehrlichen ziemlichen dinge / die nichtwider jn sein. Widerumb ist der Obirkeit auffgelegt derunterthanen nutz unnd bestes zuvorfügen / bey jrer Selig-keit. Darumb sie auch umb der bösen unvorstendigen menschenwillen / von Gott vorordent ist / und nicht die menschen umbder Obirkeit willen. Hiraus gebirt sich / das die Obirkeit mehrsorge habe / wie die untherthanen / in guthem stathafftigem tugent-lichem und ehrlichem wesen mögen erhalten werden / dan fürjchts anders / und das die unterthanen / allein jr gemüthe dahinwenden / das sie denselben jren Oberherren gepürlichen gehorsam /laysten / unnd trachten / wie sie die Obirkeit erhalten / domitsie von derselben / ehrlich / friedlich / und tugentlich / mögenregirt werden.« Mit diesen Anfangsworten in schönem klarenlutherischen Deutsch stellt sich der Verfasser sofort in Gegensatzzu den starren Absolutisten: die Obrigkeit ist zwar eine göttlicheEinrichtung, aber sie ist für der Menschen Wohl bestimmt. Wiehatte doch der Einfluß eines Luther auch am Hofe des starr ka-tholischen Herzogs Georg die Berufsidee einziehen lassen! Wo soregiert wird, fährt er fort, da wird gut regiert, wie man es inSachsen und Thüringen sieht, wo es den Untertanen gut geht;