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der Offiziosus Herzog Georgs nicht auf die Verlockungen ein; seinAuge ist auf das gesamte Volkswohl gerichtet. Gegen diese Ein-wände sei zu bedenken, meint er, »ob auch yrgent ein Stewer soschedlich gewest / ader sein köndte / als das fürgeben / der ge-ringen Müntze«? Sie ist die schädlichste Steuer und beraubtden Besitzer der schlechten Münze um den zehnten Teil seinesGuts. Dann ist darauf zu achten, daß die Münze besonders,»dieweyl dornit alles vorgleicht«, danach bemessen wird, wassie »selbst von Silber und Metall in sich hatt und hellt«:denn nur das Ausprägen und »wie es under den leuthen gillt undgeacht wirde« genügen nicht. Es muß ein innerer Wert wirklichda sein. Ein Lot Silber bleibt, was es ist. Er zeigt sich hier alsMetallist reinsten Wassers; Geldsurrogate kannte er nicht, nochhatte Geld Warencharakter. Daß nur die Freiprägbarkeitden Wert des Silbers erhalten konnte, daran dachte er nochnicht*).
Wenn man nun behauptet, die geringere Münze würdewenigstens nicht ausgeführt werden, so ist zu sagen: »wue mandie Müntze nicht außm Lande führet / das es ein Zeichenist / das sie böse ist / und das man doselbst nicht gern handelt/ daraus dann schade erwechst«. Er ist also durchaus kein Gegnerder Geldausfuhr, wie man es immer von den Merkantilisten be-hauptet, sondern weiß, daß sich schlechtes Geld nicht exportieren läßt,nur das gute verdrängt, eine Idee, die später Gresham theoretischformuliert haben soll. Jedenfalls aber zeigt sich auch hier wieder,wie er seiner Zeit weit vorauseilt. Der fremde Handel würde,wenn man ihn auch nicht wolle, doch bleiben, und wenn er nochso teuer zustatten käme. Alle Waren werden aber nach dem Wertder Münze gehandelt: »so erzeugt man auch sonst mit der ge-ringen Müntz kein basfeylikeit (Wohlfeilheit) beym hendeler.Denn gibt man jhme guthe Müntz / so gibt er guthen kauff / Gibtman yme geringe Müntz / so gibt er tewer / domit er seinemschaden nachkome«. Denn er richtet sich immer nach der »natür-lichen wirderung der Müntz«, die der Silberwert und nicht diezufällige Schätzung veranlaßt. Deshalb kann man eine Münzver-ringerung damit nicht rechtfertigen, daß das Silber dadurch einenhöheren Preis und Wert erhalte. Er macht nun auf die Valuta-verschiedenheiten aufmerksam. »Dann nach dem gelde uh
*) So sehr eine eingehende theoretische und kritische Würdigungreizen würde, muß sie hier nach dem oben begründeten Programm unterbleiben;soll sich doch mit diesen Fragen der III. Teil der Arbeit beschäftigen.