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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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denn die Bauern würden »einen gülden vor einen gülden achten /einen groschen vor einen groschen«. Auf all dies gibst Du aberkeine Antwort. Wer ist denn schuld an all den Schäden? Dusagst, das Bergwerk sei eine Gottesgabe, die nicht nur der Obrig-keit gehöre, und forderst Ordnungen nnd Freiheiten dafür, washilfts aber, wenn man den Gewerken ihr Silber »nicht so güldig /als bisher beschehen / bezalen / sondern jne geringere Müntze da-vor geben wil?« Dabei wird auch die Arbeit schwerer und er-fordert mehr Kosten. Du berichtest, daß vor 23 Jahren die Fürsten eine Mark Silber um fast zwei Gulden höher angekauft hätten alsfrüher, aber Du verschweigst, daß sie vorher die Münze schonverschlechtert hatten. Du verlangst Steigerung des Silbers undschlechtere Münze und doch gleiche Bezahlung der Gewerken;wenn sie aber den Verlust merken werden, werden sie vom »Bergk-wercke lassen«. Dann aber wird man erst erkennen, was Du ge-raten hast. Dadurch kommen die Bergwerke in Verfall,und damit Handel und Gewerbe und die Menge der Leute.Geht nun erst die Bevölkerungsmenge zurück, so leiden alle:weder Adel noch Bauern werden wie bisher ihre Produkte ver-kaufen können. Ebensowenig werden die Handwerker, die Schneider,Bäcker usw. Arbeit und Vertrieb ihrer Waren haben. Alle werdenverarmen.

Es ist seltsam, wenn Du meinst, die Ursache, daß alles imPreise gestiegen, sei der Geldmangel. Aber gerade dasGegenteil ist der Fall: »wenn kein gelt im Lande were /das die gütter wolfeil sein müsten / denn wer kein gelt hat /der keufft selten thewer. Und wenn kein gelt im Lande were /so müste auch niemands nach gütern trachten.« Das ist durch-aus quantitätstheoretisch gedacht; betont er nicht gleich-zeitig die Produktivkraft des Geldes, der die späteren Mer-kantilisten solch großes Gewicht beilegten? Du behauptest, diePreise stiegen auch an Orten, wo keine gute Münze sei wie inFranken und Schwaben, mußt aber bekennen, daß gerade dort dieMünze ebensogut ist wie in Sachsen. Ebenso ist es mit DeinerBehauptung von den rheinischen Batzen. Du meinst auch, dieguten Münzen würden umgemünzt, »das mag wol sein /wer thuts aber mehr / denn die Müntzherren / den eigen Silbermangelt / die doraus geringere / und die Müntzfelschere / diedoraus ganz falsche müntze machen.« Der Kaufmann kann amKörnen keinen Vorteil haben, er müßte denn schlechte Münzendafür eintauschen. Vorteil hat nur der vom Umschlagen, der