Noch unter denselben sächsischen Fürsten , unter denen derMünzstreit entbrannt war, diente Melchior von Osse *), und esist möglich, daß er an diesen Debatten um das Für und Widereiner guter Münze teilgenommen hat. Als Sohn Balthasars vonOsse, der einem alten sächsischen Adelsgeschlecht angehörte, wurdeMelchior 1506 zu Ossa bei Geithain geboren 1 ). Er studierte inLeipzig und promovierte dort 1534 zum Dr. jur. und war dannfortwährend im Dienste der sächsischen Fürsten . Bis 1542 ist erbei Fierzog Georg, geht dann zu dem Ernestiner Johann Friedrich als Rat über und hatte als solcher besonders die Verhandlungenmit ausländischen Fürsten zu führen. 1548 tritt er in den Dienstdes Kurfürsten Moritz von Sachsen , der ihn zu König Ferdinandsandte. Als er zurückkehrt, folgt er dem Rufe der Grafen vonFlenneberg, verläßt sie aber bald und widmet sich wieder denAufgaben, die Kurfürst Moritz ihm stellt. Er geht 1550 in dessenAuftrag auf den Reichstag zu Augsburg , wo er kaiserlicher Ratwurde. Aus der mißlichen Lage, in der Moritz sich befand, daer, der einstige Bundesgenosse, nun der Feind Karls V. gewordenwar, sollte ihn Osse befreien. Er wurde deshalb als Vermittlerzum Kaiser gesandt, mußte ihm aber immer nachreisen, ohneirgend etwas zu erreichen. Nach Moritz’ Tode 1552 wird er Ratdes Kürfürsten August 2 ), der am 16. August von ihm verlangt,er solle sich äußern, wie »eine gottselige starcke rechtmäßige un-parteiische Justiz in dem Churfürstenthum und Landen erhalten, wiedie Mißbräuche abgeschafft und die Verzögerung der Sachen be-seitigt werden möchten«. Am Neujahrstage 1556 legt er demKurfürsten sein »Bedencken« vor. Am 8. April 1557 starbOsseauf seinem Schlosse Frauenfeld bei Altenburg .
*) Im Gegensatz zu der Schreibweise des Autors selbst, der sich immer Ossenennt, dem auch Thomasius, Diestel (A. D. B., Bd. 24) und Small folgen, sprechenRoscher, der Biograph Langenn und Meitzel (Hdw. d. Staatsw. 3. Aufl., Bd. VI,S. 947) stets — aber fälschlich — von Ossa.