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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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erste ist eine Art Fürstenspiegel und behandelt die Aufgabenund Pflichten eines Herrschers, der zweite ist mehr die prak-tische Anwendung und beschäftigt sich mit der Regierung,Justiz und Polizei in Sachsen und will Ratschläge erteilen. Nochsteht der Fürst ganz im Mittelpunkt der Betrachtung des Ver-fassers, aber er weiß, daß das Wohl des Herrschers und des Volkesunlöslich miteinander verknüpft sind.

Testament gegen Hertzog Augusto /Churfürsten zu Sachsen. 1556.

Erster Teil.

Von Gottseeliger / weisslichen / vernünfftigen undrechtmässigen Regierung und Justitien.

»Diess ist bey allen weisen Leuten ohne Streit, dass eine jedeObrigkeit ihre Tugend und Geschickligkeit, durch zweier-ley Wege beweisen und scheinbar machen kann. Erstlich inZeit des Krieges, durch männliche Thaten, gute witzige An-schläge, und Beschützung ihrer Lande und Unterthanen / zumandern in Zeit des Friedens, durch Ordnung und Erhaltungguter gottseeligen rechtmässigen Regierung, Gerichtbarkeit undPolicey. Dann mit diesen beyden eine jede Obrigkeit noth halbengezieret und versehen seyn sol, auf dass die zu aller Zeit desKrieges und Friedes, die Ihren wol regieren, schützen, handhabenund vertheidigen könne« 8 ). Wenn nun auch die Vorbereitungauf den Krieg nötig ist, der Frieden ist besser. Das wäre eingrausamer Mensch, der außer in Not zum Kriege riete; »was aberdie Regierung in friedlichen Zeiten anlanget, davon will ichschreiben, soviel Gott Gnade verleihet, denn Er ist der Grund,darauf alles erbauet werden muss, was gut ist, und wo solcherGrund mangelt, da erfolget kein beständiger Bau«®). Gott istAnfang und Ende jeder Regierung, Gott ist das Ziel jedes Werkes,das sind die theokratischen Ideen, die Osse und alle anderenKameralisten vertreten. Was er alles im Dienste der sächsischenFürsten erfahren, will er getreu berichten; es könne ihn keiner

die fehlenden Teile auf einer Auktion erstand. Thomasius gibt dem Werk viele An-merkungen bei, so daß sie bisweilen den Text ganz erdrücken; sie sollen zeigen »wietieff wir noch bissher in dem Politischen Pabsthumb gesteckt / und wie es einmal Zeitsey / daß große Elend / so damit dem sämtlichen gemeinen Wesen geschiehet / zu er-kennen / und anzufangen von der Trunckenheit menschlicher Autorität nüchtern zu-werden / und sich umb eine vemünfftigere und handgreifflichere Politic besser als bißherogeschehen /zu bekümmern (Vorrede S. 27/28).

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