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vermessen nennen, weil er sein »Bedencken nicht aus eigenenVornehmen, sondern auf Befehl des, dem ich solches nichtabzuschlagen gehabt, schreibe«. So entsteht dies Testament alsein politisches Buch, nicht als ein wissenschaftliches. Seine Staats-auffassung ist die seiner Zeit: Gott hat die Obrigkeit ein-gesetzt um der Menschen willen, die sich sonst befehdenwürden: »Die Regierung über die Menschen ist so ein hoch, köst-lich und wunderbahrlich Ding, dass sie keinem Menschen, wiefürtrefflich der auch am Verstände, Vernunfft und Witze sey,nach seinen Willen, Wohlgefallen und Gutdüncken zu üben, zuvertrauen, denn solche Regierung ist ein höher Ding, denn dassdie iemand über eine andere, die der Natur nach mit ihme einesHerkommens sind, gebühren möchte, wie solches auch aus allenGeschlechtern der Thiere erkannt wird, denn eine Heerd Pferdteoder Ochsen von seines gleichen, sondern zu solcher Regierunggehöret etwas anders, das höher und besser ist, denn die anderenThiere. Nemlich der Mensch, welcher die andere Thiere in vielwege übertrifft, aus gleicher Ursache, da der Mensch regieretwerden soll, muss solches geschehen durch etwas höhers und vor-trefflichers denn der Mensch ist, soll anders das Regiment be-ständig seyn« 10 ).
Da aber der menschliche Verstand und die Vernunftdoch mangelhaft sind, so muß die Regierung einem ganz reinenGemüt anvertraut werden; weil man dies aber nicht findet aufErden, »darum hat der almächtige GOtt, menschlichem Willen zusonderlichen Gnaden, das Mittel der ordentlichen beschriebenenRecht und Gesetze geordnet, dadurch der Obrigkeit undRichtern Gemüthe auf dem rechten Wege zu erhalten« 11 ). Damithat Gott den Menschen eine große Wohltat getan, es können dieRegenten nicht nach eigenem Gutdünken Recht sprechen. »Hierausfolget nun, daß manniglich schuldig ist, die ordentlichen Rechteund Gesetze in Ehren, hoch, lieb und werth zu haben, und sichdenselbigen mit Geduld zu unterwerffen, als dem Mittel, dadurchgemeiner Friede, Ruhe und Wohlfahrt erhalten wird«. »Denndaran ist kein Zweifel zu haben, daß wie die ordentliche Obrigkeitvon GOtt eingesetzet, also auch die menschlichen Rechte undGesetze durch die ordentliche Obrigkeit« 12 ). Er begründet diesmit Sprüchen der Bibel. Wir sehen also immer wieder, wie großder religiöse Einfluß auf die Staatsanschauungen war. Ist jemandungehorsam, so sündigt er wider Gott . Wenn nun die politischeGerechtigkeit ein so köstliches Ding ist, sollte jeder an ihrer Er-