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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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sie ihr Gut Zusammenhalten, »denn wenn der Herren Cammer-Güther geschwächet werden, wovon sollen sich denn die Herrenanders erhalten, denn daß sie allen Kosten setzen auf Steuren undder Unterthanen Beschwerung« 27 ).

Wenn Osse hier für den Fürsten sorgt, sorgt er auch fürdas Volk: noch ist beider Wohl ein und dasselbe; das merktder Fürst auch, denn wenn man den Untertanen zuviel auflegt,nützt bald der beste Wille nichts mehr. »Denn es ist kein König-reich, kein Fürstenthum so groß, das durch Unordnung und zuviel Verthuen nicht könnte zu Boden gehen« 28 ). Deshalb willOsse nichts vom Verkauf der Domänen wissen: der Fürst solldie Kammergüter behalten, die bringen jährlich eine gewisseNutzung, die er »ohne jemands Verunrechtung« verbrauchen kann;er soll nicht die Kammerrenten schmälern und treue Diener nurvom Einkommen belohnen. Damit die Güter aber in gutem Zu-stand bleiben, bedürfen sie »guter, getreuer, verständiger Haus-halter«, die »Aufmerckung haben auf die fallende und steigendeNutzung« 29 ). Besonderen Nutzen müssen die Bergwerke bringen,denn die Herrn haben von jedem gewonnenen Silber »die zehendeMarek«, alles Silber muß in die Münze kommen »viel in geringemKauff, denn das Silber sonsten gültig« 30 ). Osse verlangt hier also,daß die Fürsten das Silber billiger erhalten, als sein Marktpreisist, er rechtfertigt dies mit ethischen Gründen: um Arme undReiche zu erfreuen. Wie bedeutend das privatwirtschaftlicheMoment bei ihm ist, beweist die Stelle, da er sagt: »Daß auch dieLeibes-Nahrung, soviel müglich in den Berg-Städten in gleichemKauff erhalten werden. Denn im Falle der Theurung undSteigerung will zum wenigsten der gemeine Bergmann oder Hauerdas Lohn auch steigern, und sind denn der Bergmann zu bauenunlustig, oder wohl gar abscheuig, und ist doch aller möglicherFleiß anzuwenden, daß die Guten lustig und in guten Willen er-halten werden« 31 ). Spricht hieraus nicht die Angst: der Bergbaukönnte lahmgelegt werden, und der Fürst die guten Einnahmenverlieren? Darum muß der Fürst alle »financerey« abschaffen undachten, daß die Bergleute fleißig arbeiten. Das dritte Mittel,die Untertanen nicht zu beschweren, ist, daß der Fürst noch»jährlich etwas tapferes erobere« von den Renten, »denn der ge-deyet nicht, der jährlich so viel verthut, als er Einkommen hat« 32 ),d. h. die beste Steuer ist die Sparsamkeit. Zur Erhaltung desHofes gehört die Rentkammer, die Einnahmen und Aus-gaben verwaltet. Wenn auch die Nutzung gut besorgt ist,