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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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scripsi« 37 ). Ferner soll er die Angeklagten hören, daß niemandzu Unrecht verurteilt werde. Zu den weiteren Aufgaben derFürsten gehört der Schutz der Untertanen gegen die Räuber undVerbrecher, aber auch gegen mutwillige Beamte aller Art. Fürdie vielen Anstrengungen, die ein Regent hat, muß ihm die Jagdzur Erholung dienen, aber ohne daß das Wild den Bauern Schadenzufügt. Die Güte gewinnt dem Herrn die Liebe seiner Unter-tanen, daher sind die greulichen Kriegstaten zu verwerfen.Hier zeigt sich wieder der friedliche, stille Osse, den die Kriegs-greuel seiner Zeit anwidern, so daß er voll ehrlichen Zorns meint,daß früher »kein ehrlicher Mann mit solchen Gesellen, so Frauenund Jungfrauen, Priester und Kirchen beraubet oder beleidigthätten, zu Tisch gesessen« 38 ). Anstatt der Grausamkeit sollte dieSanftmut herrschen, aber sie darf nicht in allzu große Nachsichtausarten. Schließlich machen zwei Laster den Herren viel zuschaffen: der Geiz und die Verschwendung; der Geiz kann denMensch um Leib und Leben bringen, und die Verschwendung tutzwar einigen Gutes, meist den falschen, aber »solche verthulichenLeute kommen endlich in Armuth, Verderb und großen Jammer« 39 ).Wenn nun eine Privatperson verschwendet, trägt sie allein denSchaden, wenn es aber die Obrigkeit ist, »da gedeyet nicht alleinder Herr, sondern auch Land und Leute in Beschwehrung undVerärmerung« 40 ). Beide Laster kann aber der Herr meiden, derzu rechter Zeit und am rechten Ort freigebig ist. ArmenLeuten helfen, seinen Hof und sein Haus standesgemäß erhalten,Kirchen und Schulen errichten, treue Diener belohnen, das heißtwahre Freigebigkeit, so wie Seneca es fordert: »dass vor mildezu achten, nicht der von anderer Gut milde ist, sondern der dasgiebt, das er ihm selbst abbricht« 41 ). Aber auch das ist mildegehandelt, wenn der Fürst unnötige Ausgaben meidet und dieUntertanen nicht beschwert, denn so erhält er Arm und Reich»bey gedeylichem Wesen«. Dieser Tugend folgt die der Groß-mütigkeit, die weder die Furcht noch die Verwegenheit kennt,wie Seneca meint: ein Mann soll ein Mann sein!

Das sind die Tugenden, die Osse von einem Fürsten fordert,besitzt aber ein Land einen solchen Idealherrscher, dann, so meinter, »ist das eine große Wohlthat, darum GOtt höchlichen zudanken« 42 ). Aber auch ein solcher Herrscher kann nicht alleindas Land verwalten, er bedarf der Helfer. Osse kommt hierwieder auf die Verwaltungsreformen zurück, wenn er alle mög-lichen Beamten einzusetzen fordert. Die Verhältnisse haben es