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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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mit sich gebracht, daß die zwei Augen des Fürsten nicht mehralles übersehen, die wenigen Räte nicht genügend helfen konnten.Darum verlangt Osse: »Hoffmeister, Räthe, Cantzlar, vertrautegeheimde Schreiber und Secretarien, Haupt- und Amptleute,Schössere, Cent-Graffen, Kastener, Geleites-Leute, Gegenschrei-bere . . . Bürgermeister und Rathsmanne, Richtere, Schultheissen«usw. 43 ). Es ist aber nötig, daß der Herr »auf der PersonenVerstand, Geschicklichkeit und Lehre mehr acht habe, dennauf ihr Herkommen« 44 ). Daher ist es eine Sünde, wenn manein Amt mit Untüchtigen besetzt, denn sie handeln an des HerrnStelle. Osse beklagt bitter die bösen Erziehungszustände, weshalbes nicht genügend vorgebildete Leute gäbe; Grund dessen sei,daß man die jungen Leute nicht mehr so streng erziehe wie früher,die Universitäten auch zu schlecht seien, und man zu schnellmit den Beamten wechsele, so daß sich keiner einarbeiten könne.Osse denkt an einen weiteren Hofrat, einen engeren GeheimenRat, deren Kompetenzen aber noch nicht getrennt sind. Bei demHofrat holen Fürst und Land sich Rat, deshalb darf er nicht zuklein sein; »es können aber gleichwohl Sachen vorfallen, die einesolche Stille und Verschwiegenheit erforderen, dass die in einemweiten Rathe, und mit vielen Leuthen nicht zu berathschlagen« 45 ),darum soll der Fürst aus dem Hofrat drei oder vier Personen zueinem Geheimen Rat erwählen. Wohl kann er auch einen vor-trefflichen Mann zu seinem Vertrauten machen, aber er darf ihmnicht in allem folgen und die anderen Räte hintansetzen, »denndadurch würffe sich ein Herr . . . selbst in eine Dienstbarkeit« 46 ).Das ist also schon dieselbe Angst vor dem »Ministrissimo«, derder Autorität des absoluten Monarchen schaden könnte, wie wirsie später bei Schröder wiederfinden. Es sollten auch wederVerwandte noch junge Leute im Rate sitzen, denn die alten sindnicht so hitzig und haben mehr Erfahrung; auch stolze und hoch-mütige sind nicht dazu zu gebrauchen. Geschenke dürfen sie nichtannehmen, um nicht in den Ruf der Bestechlichkeit zu kommen.Am schlimmsten ist es aber, wenn die Räte Heuchler und Schmeichlersind, denn so kann der Fürst nie die Wahrheit erfahren. Für denHofrat soll er einen Präsidenten ernennen und an den wichtigenBeratungen teilnehmen. Sobald das Hofregiment eingerichtet ist,müssen die Land-, Haupt- und Amtmannschaften bestellt werden,ferner Schösser, Kästner und Schultheißen zur Verwaltung derKammergüter des Herrn. Alle Räte aber müssen gottesfürchtig,getreu und fleißig, gütig und gerecht sein. Osse schließt seine