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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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167
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fürsten müssen um ihrer Nachkommen willen für die Lande sorgen,anders als ein »Leibgedings-König«, der nur an das eigene Wohldenkt. Auch für die weibliche Erbfolge schwärmt Osse nicht,denn dadurch kommen fremde Herren zur Regierung, die dasLand nicht kennen und es bedrücken. Bei einem Erbregimentbleiben aber die besten Beamten in ihren Stellungen, so kann dasLand gedeihen, wie man es an Sachsen sieht. Osses konser-vativer Sinn war allen Neuerungen nicht günstig gesinnt, er liebtees, alles beim Alten zu lassen, solange es ging. Und diese konser-vative Denkweise läßt ihn nur zaghaft an den umstürzlerischenIdeen des Merkantilismus teilnehmen. Ein Regiment aber steht»in zeitlichen Sachen auf zweyerley .. . nemlich, der Regierungund Policey, und denn der Gerichtsbarkeit und Justitien« 50 ),wie es in Sachsen ist, wodurch der Frieden erhalten wird.

Man schlägt dort auch eine gute Münze, »dadurch dieLeute bewogen werden, gerne mit allen dem, so man zur Noth-durff bedarff, in diese Lande zu handeln und handthieren,dadurch die Fürstliche Zölle und Geleit steigen, und männig-lich an seiner Nahrung Besserung empfindet, auch die Früchte undanderes was ihme der liebe GOtt Hausshaltung beschert, destobass vertreiben kann. Denn wo gute Müntz ist, da ist vielHandels, wo viel Händel und Leute seyn, da hat man den Ver-treib aller Früchte und Waare, und gemessen des also nicht alleindie Hausswirthe und Händeler, sondern alle Handwercksleute, undkommen dadurch die Lande ingemein, in Besserung undAufnehmen« 51 ). Unstreitig sieht man hier den Einfluß derMünzschriften, vor allem der Albertinischen worauf auchRoscher hinweist, was nicht wundernehmen kann, da Osse dieKämpfe um die gute oder schlechte Münze an den Höfen selbstmiterlebte. So rät auch er dem Albertiner August zu guter Münze,die allein dem Wohlstand des Landes dienen könne, wodurch danndie fürstlichen Einnahmen steigen würden.

Was nun die Justiz angeht, so ist auch für sie gut gesorgt,zur Erziehung tüchtiger Juristen dienen die drei Fürstenschulenin Meißen, Pforte, Grimma und zwei Universitäten in Leipzig und Wittenberg . In denselben Städten bestehen als höchste imLande die Hofgerichte. Zur Rechtsbelehrung dient der Schöffen-stuhl in Leipzig , im Lande selbst sind die Landgerichte. »Sosiehet man in diesen Landen auch eine sondere schöne Policey,und sind alle Sachen in guter Ordnung verfast, man siehet auchein fein höflich leutselig Volck in allen Ständen« 62 ); das Land