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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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hat ferner »herrliche Gebäude, grosse Händel , Menge der Proviant,die stattlichen Bergwercke, mancherley gute Nahrung vor denguten Mann, . . . Vielheit des Viehs, gute Gebräuche, sonderlichin Meißen die besten Biere, die auf der Welt seynd*), . . . köst-liche Herbergen« 53 ). Wenn auch ein anderes Land manches davonhat, so findet man kaum alles so beieinander. Nach soviel Preisund Lob ist man versucht zu fragen, wo es denn in Sachsen ge-fehlt hat, was Osse verbessern soll. Es sind, meint er »derJustitien etliche schädliche Missbräuche zugewachsen « 5i ), wiees mit allen guten Sachen geht, je besser etwas geordnet ist,desto mehr Mißbrauch entsteht daraus, der nun aber abgestelltwerden muß.

Der Hauptgrund des Übels ist, daß es an den geeigneten»Personen / damit die Justitien / Aemter und Befehl zu bestellen«fehlt. Daran schuld ist, daß die Jugend nicht mehr in solcherDisziplin erzogen wird wie früher, daß man an den Höfen nicht mehrRat hält, wo sie lernen kann, und die Ämter viel zu oft besetzt.Ferner vergibt man die Stellen nicht nach Talent, sondern nachGunst, weswegen tüchtige Leute sich fortwenden. Daher wäre esrecht gut, wenn der Kurfürst auf den Universitäten Vertraute hätte,die ihn auf junge, bewanderte Leute aufmerksam machten. Willman aber gelehrte Leute in der Regierung haben, dann muß manauch die »Particular-Schulen« und Universitäten gut verwalten.Aber auf die Fürstenschulen gehen nur die Kinder reicher Eltern,weil sie Empfehlungen haben müssen. Darum sollten auch in denStädten Schulen geschaffen werden, »damit armer Leute Kinder,die sie in Fürsten- Schulen nicht bringen könten doch anheims ihrerEltern Brote zum besten möchten unterweist werden« 55 ) und alldie Talente nicht verderben. Diese sollten aber durch Stipendienunterstützt die Universität besuchen.

In größter Ausführlichkeit bespricht nun Osse die Univer-sitätsverhältnisse, aber nur die der Leipziger Universität, vonder Wittenberger kann er nicht schreiben, »weil mir die fast unbe-kannt« 56 ), wie er sagt, woraus erhellt, wie wenig allgemeine Ge-sichtspunkte das »Bedencken« enthält, wie es für den Zweck zu-geschnitten ist. Denn es läßt sich leicht denken, daß die Ver-hältnisse in Wittenberg, wo einst Luther und Melanchthon gewirkt

*) Bezeichnend für die Kommentare, mit denen man im 18. Jahrhundert denOriginaltext erdrückte, ist die »tiefsinnige« Bemerkung eines Gelehrten von Ruf wieThomasius, daß über den Geschmack zu streiten sei, ob der Autor Braun- oder Weiß-bier meine, ob er nicht das gute »Torgisch, Eulenburgisch, Wurtzenisch« Bier kenne (!!).