Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

16g

hatten, andere waren. Früher, so meint er, waren alle Collegia»voll gelahrter Leute und Studenten, alle Stuben und Kammernwurden bewohnet, daraus die Universität einen guten Nutz hatte« 57 ),die Magistri hatten viel Knaben in Kost und Lehr, und hieltenstrenge Disziplin. In den Collegien wirkten Collegiaten, »mit Ein-kommen nothdürfftig versehen« 58 ), dadurch blieben aber vieleauch arme Magister dort. »Es waren auch zu derselbigen Zeitob sechszehn hundert Studenten« da, »bissweilen mehr, davon ge-meine Stadt und das Land nicht geringen Nutz zu gewarten« 59 ).Jetzt aber ist alles anders geworden, denn die Kollegien stehenfast leer, nicht ein Magister hält dort Tisch, die schönen Gebäudeverfallen, so schwindet das Vermögen der Universität. Was sollendie Schüler mit den leeren Kollegien? Heute kann kein Vaterseinen Sohn dort unterbringen, sondern muß ihn »irgends zu einemBürger oder Kauffmann eindingen, da haben sie denn bissweilenseltzame Gesellschafft, hören ärgerliche Reden . . . und werdenalso in der Jugend durch Aergerniss jämmerlich vergifftet« 60 ).Wir w r erden diese Klage über das Eingehen der Kollegien erstverstehen, wenn wir Osses Kommentator Thomasius hören; ermeint, Osses Auffassung von den Collegiaten bezeuge, »dass er sotieff noch in dem Pabstthum gesteckt / dass er die alten Papisti-schen Einrichtungen der Universitäten für höchst weisslich undklüglich ausgesonnen / und ohne welche das gemeine Wesen nichtbestehen könne / gehalten« 61 ). Aber auch die Studentenzahl hatabgenommen, klagt Osse, die Väter bringen ihre Söhne jetzt ehernach Straßburg, Mainz und Köln . Die Ursachen des Übels siehter darin, daß die Collegiaten jetzt in der Stadt wohnen, aber ihrEinkommen und anderen Nutzen noch von den Collegien beziehen.Als das die Magister sahen, gaben sie die Hoffnung auf ihr Fort-kommen auf, damit aber verschwanden auch die Schüler. Wennhier keine Abhilfe geschieht, geht die Universität ein. Dazu müßtenvor allem die Collegiaten wieder in die Collegien ziehen, ihnenwürden schon alle anderen folgen. Denen die noch in der Stadtwohnen, soll man die Collegiatur noch lassen, aber neue nur ansolche erteilen, die im Collegium wohnen. Schließlich verlangtOsse, »dass Magistri und Scholares die leichtfertige, solchen Leutenungebührende Kleidunge unterlassen« 62 ), und daß kein Magisterdem anderen Schüler abspenstig mache.

Nach Betrachtung dieser äußeren Umstände wendet er sichnun dem Unterricht an der Universität selbst zu, um hierdie Schäden aufzudecken und Reform Vorschläge zu machen. Vor

*