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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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sität müßte ein Kurator gestellt werden, der die ganze Verwaltungzu leiten hätte.

Osse geht in den folgenden Kapiteln zur Besprechung der»Justitien« über, um auch hier auf bestehende Mißstände hin-zuweisen. »Die Gerechtigkeit ist gar ein subtil Ding, das wenigerdulden kan, denn ein Auge. Sie will ihren starcken Gang haben,nicht Wiederwärtiges leiden, sie hat weder Fäuste noch Augen,hat auch weder Vater noch Mutter . . ., kennt keine Person,sondern allein die Sachen, hoffiert keinem Reichen, erbarmt sichauch keines Armen, hat nicht mehr denn einen Freund, heißtWahrheit.« Darum sollen die Richter »nach Recht richten, keinUnterscheid unter den Personen haben . . . denn sie sitzen amRegiment und in ihrem Amte, nicht als sonderliche Personen,sondern an GOttes des höchsten und ihrer zeitlichen Herrenstatt« 69 ). Noch weiter preist er den redlichen Richter: »Wohlaneines gerechten, frommen redlichen Regenten und Richters Lobund Ruhmb, wird, wie die Schrifft sagt, ewig währen« 70 ). »Falscheungerechte Richter sind .... nicht Richter, sondern Krämer, undverkehren umb ihrer unordentlichen begirligkeit und affecten, Geitzund Eigennutz willen, dem allmächtigen GOtt seine Ordnunge« 71 ).»Darum sehe ein jtzlicher zu sein selbst Besten vor sich und dienein Obrigkeiten und Aemtern nach seinen höchsten Verstände undVermögen, GOtte und der Gerechtigkeit« 72 ). Nach diesen all-gemeinen Forderungen höchster Unparteilichkeit untersuchtOsse, »wodurch die Justitia dieser Lande in Fall kommt« 73 ). Sosind viele Justizämter in einer Hand vereinigt, und wenn manvon einem Gericht an das andere appelliert, findet man dieselbenRichter. Darum sollte jedes Gericht seine eigenen Personen haben,aber jetzt sei keine Stelle so besoldet, daß einer sich davon allein er-nähren könne. Hier müßte Abhilfe geschaffen werden; aber nochviel schlimmer sei es, wenn dieselben Leute Richter und Advokatenwären. Diese beiden Ämter müßten getrennt und nicht nachGunst, sondern mit den Geschicktesten besetzt werden. Es wirdoft zu schnell geurteilt, aber »in Wahrheit hat die Justitia keinegrössere Feinde, denn Eill, Vermessenheit, Unverstand und Un-fleiss« 74 ); darum sind keine langen Prozesse nötig, sie saugennur die Leute aus, denn sie entstehen aus zwei Ursachen: durchanderweitige Beschäftigung der Richter und böse Advokaten. Dakönne nur der Kurfürst abhelfen, indem er diese Advokaten be-strafe und zur Beschleunigung der Appellationen alle Jahr »vier-mal in Appellation-Sachen Vorbescheiden« 76 ) lasse. Viele Anwälte