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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Justiz den Staat bereichern, will er schließlich noch zu anderenübergehen; es kommen da in Betracht: die herrenlosen Güter,ferner sollen die Erben aus der Nebenlinie den zwanzigsten Teildes Erbes hergeben also eine Art Erbschaftssteuer derlachenden Erben, drittens sollen die Notare einen reichen Mannbeim Testieren anhalten, dem Staat etwas zu hinterlassen; wennAuswärtige etwas erben, oder wenn einer einem Fremden bei Leb-zeiten etwas schenkt, soll der zwanzigste Teil abgegeben werden.Ferner soll der Nachfolger eines Priesters dreißig Gulden undmit Erlaubnis des Papstes jede Kirche und jedes Kloster dendreißigsten Teil der Einkünfte gegen den gemeinsamen Feindgeben 30 ). Er meint ferner, da .die Priester alles Gut vom Staatehätten, und alle Lehen vom Kaiser verliehen seien, könnten sieihn auch in der Not unterstützen; alle Lehen, die der Erben ent-behrten, sollten ihre Gefälle drei Jahre lang der Reichskasse zu-führen. Die Zünfte und Gemeinden sollten die Hälfte ihrerEinnahmen hergeben, sie würden dadurch großes Lob erlangen.Er empfiehlt ferner die Spenden, wie sie Eduard IV. von Englandeinführte, auch eine Münzverringerung nach dem Vorbild derRömer im punischen Krieg und die Verleihung des Adels an die-jenigen, die sich durch besondere Opferwilligkeit hervorgetan hätten.Auch Anleihen bei Bundesgenossen und Nachbarn wären nichtunangebracht, ebensowenig wäre zu tadeln, wenn der Kaiser vonden reicheren Bewohnern der Provinzen möglichst viel Gold undSilber forderte 31 ).

Man darf all diese Vorschläge nicht zu sehr auf die Wagschalelegen: sie waren in der Zeit der Not getan, und da galt es beider ewigen Finanzmisere, das Geld zu nehmen, wo man es bekam;wollte der Staat seine Hauptaufgabe erfüllen: die Erhaltung seinereigenen Existenz. Daß Osse'clabei doch nicht ganz das Volks-wohl außer acht ließ, zeigen seine Vorschläge zur Förderungvon Ackerbau und Handwerk. Ein sehr nützliches Mittelwäre es, »wenn in allen Reichen und Provinzen Ew. Maj. sorg-fältig untersucht wird, welche Wälder, Haine, Täler und andereOrtschaften, unbebaut sind und zur Bebauung erschlossen werdenkönnten, und wie es möglich wäre, hier Äcker, Wiesen, Weinberge,Gärten, Fischweiher, Landhäuser, Dörfer und Städte zu errichtenund mit bestimmten Personen zu bevölkern: so würde man imLaufe der Zeit nicht nur eine Menge Menschen gewinnen, sondernauch die Einkünfte der Staatskasse sehr vermehren können« 33 ).Dazu müßte aber die Natur des Orts genau erforscht sein. »Des-