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wegen ist mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß in Ew. Maj.Reichen und Provinzen kein Ort wüst oder zu wenig Nützlichembestimmt sei, sondern daß alle Provinzen möglichst fruchtbar seienund Überfluß hätten an alldem, was die Erde hervorbringt« 33 ).»Daher kann Ew. Maj. befehlen, daß überall der Ackerbau be-fördert werde« 34 ). Wenn Roscher 38 ) meint, diese Stelle zeige,daß Obrecht kein Merkantilist wäre, dann beweist das, wie sehrer selbst noch den Smithschen Anschauungen vom Merkantilismushuldigt. — Ebenso sei, schließt Obrecht, für den Handel und dasHandwerk zu sorgen. »Denn die Kaufleute führen nicht nurnützliche und brauchbare Dinge auf eigene Kosten und Gefahrherbei, sondern bringen auch andere überflüssige fort, was beidesdem Staat zum Vorteil gereicht« 36 ). — Den Schluß des Diskursesbildet eine Abhandlung über die Zufuhr von Futter und Getreide,über die Waffen und was zu ihnen gehört, als da sind ihre Ver-fertiger, ferner Pulver, Bomben, Wagen, usw. So ist die ganzeSchrift auf den Krieg gegen die Türken zugespitzt, enthält abersehr interessante finanz- und volkswirtschaftliche Betrachtungen.
2. Politisch Bedencken und Diseurs: Von Ver-besserung Land und Leut / Anrichtung guterPolicey / und fürnemblich von nützlicher Erledi-gung grosser Aussgaben / und billicher Vermeh-rung eines jeden Regenten und Oberherren Jähr-lichen Gefällen und Einkommen.
Dieser 1606 entstandene Diskurs ist umfassender und kamera-listischer als der erste. Small 37 ) hat recht darauf hinzuweisen,wie gerade er die schlechte Finanzlage, in der sich vom Kaiserherab alle deutschen Fürsten befanden, enthüllt. Es steht imMittelpunkt bei Obrecht immer das Geld: das charakterisiertihn zum Unterschied von den anderen Kameralisten. Deshalbweist er auch die meisten privatwirtschaftlichen Züge auf:sein Hauptideal ist es, den Fürsten vor allem finanziell sicher zustellen; ein für seine bewegte Zeit ■— kurz vor dem dreißigjährigenKriege — gewiß berechtigtes Streben. So weist er in der Vorredezu diesem »Politisch Bedencken und Diseurs« darauf hin, daß dieFürsten mit immer mehr Ausgaben belastet seien und in immergrößere Schulden gerieten; da es aber gut sei, wenn sie einenwohlgefüllten Schatz hätten, weil »Gelt « und Gut gleichsam dienervi, und instrumenta, ohne welche kein Respublica, angericht /