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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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gebessert und . . . erhalten werden kann« 38 ), wären, wolle er aufdie Erlangung der nötigen Mittel sinnen, »dass sie billich underträglich / auch zu allerhand Verbesserungen dienstlich seyen« 39 ).

Die Mittel, die er vorschlägt, sind ähnlich wie die imTürkenkrieg-Diskurs; auch hier teilt er: in die »mit der Under-thanen beschwerden« und »ohn derselben sonderliche be-schwerden« 40 ) ein. Zu der ersten Kategorie, die die Unter-tanen belastet, gehört zunächst eine »Erhöhung der Gefäll«.Der Regent muß alle prüfen und darauf achten, daß »die Under-thanen es ertragen«, damit man nicht »auss der Armen Under-thanen Blut uh Schweiss / Gelt und Gut samlen wolle« 41 ), daß»solche Steigerungen vielmehr auff die publica als privatorum bonagelegt werden« 42 ) und lieber auf Luxus- als auf Lebensmittel.Ferner wäre es gut, wenn mehr die Fremden als die Einheimischengetroffen würden, ein Vorschlag, den auch Bodin erhebt. Mitihm fordert er, wie im ersten Diskurs echt merkantilistisch*)höhere Zölle bei der Ausfuhr wichtiger, aber Minderung der Ab-gaben bei der Einfuhr nötiger Waren und dasselbe Verfahren beider Ein- und Ausfuhr von Rohstoffen: denn so hätten die Bürgergroßen Gewinn. Auch sollten die Fürsten für Erhebung der Zölledie Straßen in gutem Zustande und gesichert erhalten. Derzweite Weg sind Abgaben an des »Herrn Cammer«, diegleichzeitig seinem Bedürfnis, den Luxus zu bekämpfen, entspringen;es sind die ähnlichen Vorschläge wie im ersten Diskurs; so solljeder Hochzeiter etwas geben, jeder Vater bei der Geburt einesKindes; er macht hier wieder den Vorschlag der Kindersparkasse,doch sprechen nun auch statistische Gründe mit, »daß ein Ober-keit wissen möchte / wenn jemand in seinem Gebiet zur Welt ge-boren were« 43 ). Ferner müßte jedes neugeborene Kind, jederJüngling, der ins 20. Lebensjahr tritt, und jeder der stirbt, ange-meldet und dabei ein Batzen erlegt werden. Sehr interessant istsein Plan einer ländlichen Versicherung: daß »etliche Dorffersolten zusammen halten / dergestalt / wann in denselben . . . einemUnderthanen ein Schad / ohn sein verschulden / begegnet / dass als-dann ein jeder in diesen Dörffern / nach seinem vermögen / etwaseinzuschiessen schuldig seyn solle« 44 ). Dasselbe könnte dann auch

*) 'Warum Roscher (a. a. O. S. 154) hierüber sagt: »Ohne jedoch an denmerkantilistisclien Zweck dieser Maßregel zu denken«, ist mir unklar, denn Obrechtweist ja, indem er fortwährend Bodin zitiert (a. a. O. S. 15, 16) auf die durchausmerkantilistischen auch im alten Smith-Roscherschen Sinn Folgen derHebung der heimischen Produktion hin.