Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

186

nach /mit der Kleidung sich verhalten soll« 53 ), »damit der Edel /vor dem Unedlen / der Geistreiche vor dem Leyen / der Burgervor dem Bauren / der Herr vor dem Knecht: also auch Frawenund Jungfrawen vor den Mägden underscheiden und erkant mögenwerden« 54 ). In gleicher Weise sollen Verordnungen gegen dasübermäßige Essen und Trinken und das luxuriöse Bauen erlassenwerden. Kein Verschwender darf »ohn seine Obrigkeit consens«etwas verkaufen oder leihen, kein Wirt »einen Underthanen / überzwe / oder drey Irten borge«, und einem Verschwender ist einKurator zu stellen 65 ).

Wir sehen also überall die weitgehendste Bevormundung,die Regierung Obrechts hat sich um alles zu kümmern: »Damitaber dieses geschehen möge / halt ichs für sehr rathsam und gut /daß ein jede Oberkeit zu underschiedlichen mahlen im Jahr mithöchstem fleiß nachforschen lasse / wie sich die Underthanen inihren Handthierungen und Hausshaltungen erzeigen / wie sie sichernehren / ob sie gute oder liederliche Haussvätter seyen« 56 ). Un-geratene Kinder sollen in Arbeitshäuser kommen, wie man siein London und Amsterdam habe. Der »Fürkauff aller victualien«ist zu bestrafen. Von den Kreditgeschäften hat er noch wenigAhnung, will sie vom Staat geregelt wissen. Diejenigen, »dieZinss auff ihren verkaufften Gütern / wie auch die vorige einsätz /verschweigen / die zu trewen handen hinder sie deponirt oder er-legt / oder auch pfandtweiss hinderstellt Gut / verleugnen / die ent-lehnt . . Gut / für ihr eygen anderen verkauffen die mit entlehnen . . .die Leute bösslich betrügen« sollen mit Geldbussen gestraft werden.Kein Untertan aber dürfe sich ohne Zustimmung der Regierung für mehr als 200 Gulden verbürgen, dadurch werden »unnützeund unnöhtige aufnahmen verhütet«, »wie dann solche Ordnungzu Freyburg im Breissgaw . . . nützlich angericht ist« 57 ). Wennein Fürst sich nach diesen Vorschlägen richtet, meint Obrecht,dann wird es den Untertanen und auch ihm (d. h. natürlich seinerKasse!) gutgehen.

Eine andere Art der Einkommensquellen sind die »naturalia«oder »civilia«. Zu den ersteren rechnet er die Bebauung un-kultivierten Landes und den Ackerbau, für die er hier wiedermit gleicher Wärme eintritt wie im ersten Diskurs. Neu ist hiernur der Vorschlag, Aufseher zu bestellen, die dafür zu sorgenhätten, daß alle Güter gut bestellt werden, und daß man dieArbeiter »alle Jahr was eines jeden Lohn« bezahle, »auff dassmenniglich dabey bleibe« 68 ). Auch wäre es dem Fürsten von