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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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brauchbaren Ideen und Erfindungen vieles gab, was nach demWunderdoktor aussah, lag das nicht auch im Charakter der Zeit?Becher soll hier nicht gegen die vielen Anschuldigungen verteidigtwerden, aber wir müssen versuchen, ihm heute gerecht zu werden,da es in seinen Tagen nicht geschah. Darüber beklagte er sichbitter. Wir finden in einem bisher gänzlich unbeachtet gebliebenen»Schreiben / Bechers an seinen Advocaten in Wien / Dr.Fried. Plancken« interessante Aufschlüsse. Wenn er auch manchesbeschönigt haben mag, aus dem Ganzen spricht doch ein verkannterbedeutender Mann: »So ist erstlich dieses mir ein Schaden gewesen /was andere vor ein Beneficium halten / nemlich der liebe GOtthat mich mit etlichen wenigen Gaben des Verstandes gesegnet /welche ich mit großer Mühe excolirt, also daß ich vor anderneinige Inventionen, Propositionen, Schrifften und Sachen demgemeinen Wesen zum besten an den tag gegeben / daß hat mirzwar bey etlichen etwas Lob / bejr vielen aber Neyd und Haß . . .verursachet«; »wann ich dann nicht einem jeden gethan und com-municirt habe / was er gewolt / so habe Verachtung / übel Nach-reden / und Verfolgung verursacht«, ja man hat mir zugemutet,»ich solte die Sachen auff meinen Kosten inventiren / probiren«.»Wann ich dan solches nicht thun . .. wollen / so hats geheißen /Dr. Becher fange viel an / und führe nichts aus«. »Zweytens /hat mir . . . mein Fleiß und Mühe . . vieler Orten geschadet / daßman mich bey keiner rechten profession gelassen; wann ich michauffs practiciren in der Medicin begeben / so hats geheissen / esseyn Doctores und Stadtlauffer genug vorhanden / ich könte meineZeit zu dem gemeinen Wesen nützlicher und besser anwenden.Wann ich habe würcklich den Raht frequentiren sollen / so hatsgeheissen man hätte Bey-sitzer und Ja-herrn genug / ich köntedie Zeit besser anwenden mit inventieren / practiciren und Reisen.«Drittens hätte ihn seine Leichtgläubigkeit geschädigt, mit der erandere an seinen Erfindungen teilnehmen ließ, die ihm, wenn sieihn ausgebeutet hätten, den Laufpaß gäben, »wann ich danngesehen / daß mir ein und andere proposition entführt und aushanden entrissen worden / derentwegen wiederum was andersinventiert, so hats geheißen / Dr. Becher ist unbeständig und bleibtbey keiner Sache« 1 ).

Mit Recht hat man Becher einmal den Friedrich List dessiebzehnten Jahrhunderts 2 ) genannt. Auch List war unstetund unverstanden und hatte doch dasselbe große Ziel wie Bechervor Augen. Er endete in Kummer und Not, verkannt, und Becher