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miker anzusehen hat, und daß er für den Begründer derPhiogistontheorie*) gehalten wird. Er starb in der Fremde1682 zu London und wurde in der Kirche S. James in the fieldsbeigesetzt. Unstet wie er war, war auch sein Leben gewesen,voll von Kämpfen und Mühen, aber erfüllt von großen Ideen undheißem Streben. —
Überblicken wir das Leben Bechers, so ergibt sich für unsdie Klarheit, daß wir nicht irrten, wenn wir die althergebrachteDefinition des Kameralismus als einer Verwaltungslehre unddie Smalls als einer »Theorie und Technik der Verwaltung« alszu eng ablehnten. Es sind gewichtigere Momente, die die altenKameralisten verbinden. Becher läßt sich nicht gut als »Ver-waltungsbeamter« ansehen, daher kann auch Small von ihm sagen:»he cannot be called in the full sense a cameralist« 15 ) und Erdberg behaupten: den älteren Kameralisten »stand er stets oppositionellgegenüber, und das umsomehr, je weniger ihre Anschauungenden seinen entsprachen« 16 ). Ich halte gerade die drei Öster-reicher für die typischsten alten Kameralisten, aber mitdem »Verwaltungsmoment« kommen wir nicht weiter. Grund-lage war zwar die neugeschaffene Verwaltung — wie imersten Teil bewiesen — aber das Band, das alle Kameralisten hielt,war ein anderes: vornehmlich der Merkantilismus. Das werdennun Bechers Schriften deutlich beweisen.
Becher ist so vielseitig und bietet so viel Stoff zur Darstellung,daß es unmöglich ist, ihn im Rahmen dieses Buches erschöpfendzu behandeln. Unter seinen Werken steht allen voran der »Poli-tische Diseurs«, der seinen Ruhm bis auf den heutigen Tagverbreitet hat, und der besonders zu würdigen sein wird, weil sichin ihm die meisten seiner wirtschaftlichen Ideen konzentrierten.Er muß als Mittelpunkt des Ganzen hingestellt werden. Dies Buchgalt schon zur Zeit seiner Entstehung als grundlegend, und als es
*) Becher wurde von Georg Ernst Stahl als Begründer der Phiogistontheorieangesehen, die meinte, »daß in den eigentlich entzündlichen Körpern und in anderen inder Hitze bei Zutritt der Luft sich verändernden, speziell in den Metallen ein und das-selbe Prinzip der Verbrennlichkeit: das sogenannte Phlogiston enthalten sei,auf dessen Austreten die Verbrennung der entzündlichen Körper und die Verkalkung derMetalle beruht, und welches als ein in die Zusammensetzung vieler Körper eingehenderund mannigfache Vorgänge bedingender Grundstoff etwas für die ganze Chemie Wichtigessei«. Vgl. Hermann Kopp : Die Alchemie in älterer und neuerer Zeit. Ein Beitragzur Kulturgeschichte, I. Teil, Heidelberg 1886, S. 69. Ferner über Becher als ChemikerKopp : Die Entwicklung der Chemie in der neueren Zeit, Geschichte der Wissenschaften,Bd. X, München 1873.