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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Buch, sagt er, könnte man sehen, daß er »weder müssig noch un-achtsamb / oder unfleißig und unnützlich« gewesen. Drittens abermüßte er den kaiserlichen Schutz erflehen, weil er »in diesemBuch vor das gemeine Teutsche Vatterland ohne Heucheley platteutsch geschrieben« und deshalb bei den »Feinden des gemeinenbestens« Mißfallen erregen werde. Nicht darum hätte er es ge-wagt, dies Buch von den Commercien dem Kaiser zu widmen,damit dieser selbst Handel treibe, sondern und diese Wortesind eigentlich das Motto des Ganzen »daß Euer Kayser-lichen Majestät dero Landen und Unterthanen in den Commercienversirendes Interesse etwas klärer vor Augen gestellt würde / ge-staltsamb dann in diesem Buch . . . bewiesen / dass der Handelund Wandel ein Land volckreich und nahrhafft mache / und dasseine volckreiche und nahrhaffte Gemein und Unterthanen vor allenan deren das bequemste Subjectum Corporis Politici constituiret« 19 ).

In der Vorrede an den Leser hören wir etwas über dieSchicksale der ersten Ausgabe. Das Buch fand beim Kleruskeine günstige Aufnahme und wurde in München sogar konfis-ziert, weil man Becher als Calvinisten verdächtigt hatte, da sichauf dem Titelblatt als Motto der Spruch eines Calvin befand. Nurhatte man den Juristen Calvin mit dem gleichnamigen Reformatorverwechselt. Diese neue Ausgabe sei deshalb, meint Becher, vonallem Persönlichen befreit und könne von jedermann gelesenwerden und werde jedermann dienen: »allen Ständen der gantzenWelt / insonderheit aber den Obrigkeiten und Regenten«. Erselbst verspreche sich weniger Nutzen, werde er es doch keinemrecht gemacht haben: »den uncatholischen werde ich zu sehrKayserisch oder Spanisch / uns Catholischen aber selbst etwan zusehr Holländisch Vorkommen«. Aber »das eintzig End dieser neuenEdition ist meinerseits allein dahin gesehen / dem Leser eineFormul zu geben von unterschiedlichen Begebenheiten und Po-

Anmerkungcn ein neu kameralistisches Buck geschaffen, wodurch aber das ursprünglicheWerk bedeutend an Übersichtlichkeit und an Frische verloren hat. Als »PolitischenDiseurs« rechne ich nur die Einleitung mit den beiden ersten Teilen, wie es jaZincke auch tat. (In d. Ausgabe von 1673 bis Seite 259 reichend.) Der dritte undvierte Teil enthält Akten, Bedenken, die früher entstanden und zum Teil die Grund-lagen für das eigentliche Werk abgaben; und auch Schriften anderer Autoren, so daßdiese Teile für die eigentliche Systematisierung nicht in Betracht kommen, und nur dasWichtigste daraus später gewürdigt werden soll. Mit Recht macht Srbik daraufaufmerksam, daß es kaum ein einziges nationalökonomisches Buch gäbe, das BechersWerk richtig »Politische Diseurs« bezeichnete, immer läse man »Politischer Diseurs«.(Willi, v. Schröder, S. 91, Anm. 2.)

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 14

Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.