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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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litischen Concepten / welche da dienen zum Wohlstand desgemeinen Wesens« 20 ].

Im »Eingang« seines Werkes entwickelt Becher sein po-litisches und damit ein merkantilistisches Programm, dessenBasis das Ideal einer »volckreichen nahrhafften Gemein« ist. Erfolgt Aristoteles Auffassung, wenn er den Menschen als gesell-schaftliches Wesen bezeichnet, verläßt diese aber sofort zugunsteneiner theokratischen, daß Gott dem Menschen das Weib zuge-sellte, damit er nicht allein sei und sich vermehre. »Eh ich denAnfang mache zu erweisen / worinnen das Auffnehmen einesLandes / oder Stadt bestehe / muß ich nothwendig zuvor er-innern / daß der Mensch / als die Materi der Republik / einanimal sociabile sey / und Gesellschafft suche / wie dann derH. Text selbsten saget / es ist nicht gut / dass der Mensch alleinlebe: damit er derhalben eine Gesellschafft habe / werden andere /und mehr Menschen erfordert; und dass diese gebohren würden /hat Gott das Weibliche Geschlecht erschaffen / und den Ehestandeingesetzt / dessen Ende ist fruchtbar seyn / und die Erde er-füllen; daß also negst der Vernunfft / allein die MenschlicheGesellschafft / das Menschliche Leben / von dem Viehischenunterscheidet / welche Gesellschafft einig und allein die Grund-Ursach / Anfang / Mittel / und End aller Gesätze / und Ordnungenist / welche die Menschen / so wol Lleyden / als Christen / zuErhaltung dieser Gesellschafft gemacht haben .... Kürtzlich /alles was die menschliche Gesellschafft schwächt / ist abzuschaffen /und zu straffen: wann ich derohalben eine Stadt recht definirensolte / wolte ichs nennen eine volckreiclie, nahrhaffte Ge-mein«. Das sind die ersten Worte des Diskurses. Er fährt fort:»so muß eine Stadt seyn Volckreich: dann gleich wie eine Schwalbekeinen Sommer macht / also macht auch ein Mensch keine Ge-mein / noch ihrer drey oder vier Haussgesind ein Dorff / oderStadt: je volckreicher also eine Stadt ist / je mächtiger istsie auch; derohalben leichtlich zu erachten / dass die vornehmsteStaats-Regul / oder maxima einer Stadt- oder Lands seyn soll /Volckreiche Nahrung; angesehen / weder der Landsfürst /Städt oder Länder considerabel seyn / wann sie arm von Volckseyn / dann sie können sich nicht defendiren ... es ist aber nichtgenug die populirung und Volckreichmachung einer Stadt oderLands / wenn die Nahrung nicht darbey ist« 21 ). Denn wenn auchein Land bevölkert wäre, ohne die nötigen Nahrungsmittel wärendie Menschen eher lästig als nützlich. »Gleich wie nun die