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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
212
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Klassen, die aber alle ohne den Bauern verderben würden, wasbeweist, daß er der nötigste ist. Es ist billig, nicht jedem zu er-lauben, »allein alles zu thun / damit nemblich andere auch etwaszu leben . . . haben« 26 ). Der Kaufmann handelt mit den Warender Bauern und Handwerker, er bildet auch drei Klassen: denVerleger, den Krämer und den Wechsler. Kein Stand aberkann ohne den andern gedeihen, meint Becher, und mitklugem Blick fordert er eine gesunde Arbeitsteilung im Volk(keine »Perlen für die Säue!« s. ob. S. 203): »Wiewol nun dieseStände einander so nah verwand seyn / dass einer ohne den andernnicht bestehen kan / also die gröste Gemeinschafft miteinanderhaben müssen / so seind sie gleichwol in diesem von einanderentschieden / dass sie sich nicht untereinander vermischen lassen /sondern ihre proportion gegeneinander haben wollen« 27 ),es wäre nicht gut, wenn es mehr Kaufleute als Handwerker oderBauern gäbe. Es soll auch kein Bauer »Handwercks-Sachen ar-beiten« oder ein Handwerker »einen Kauffmann agiren«. Dennes ist eine »unfehlbare Regul / wo kein Baur ist / da hat derHandwercksmann nichts zuverarbeiten / und wo nichts gearbeitetda ist / da kan auch der Kauffmann nichts verkauften« 28 ). Diedrei Stände soll man nicht vermischen, sondern sorgen, daß einerden andern unterstützt, das erst macht eine rechte Gemeinde.Small glaubt Becher die wirkliche Einsicht für die von ihm ver-tretenen Gedanken wie schon oben erwähnt nicht Zutrauenzu dürfen. Er hält das Ganze für Phrasen, wie er mehrmals be-tont: »this was merely imitation of pulpit conventionalities«, oderfür »tawdry rhetorical embellishment« 29 ). Den Grund zu seinerAnnahme glaubt er darin zu finden, daß Becher eine Trennungs-linie zwischen den wenigen oberen, die er die Diener des Staatsnenne, und all den anderen ziehe, als ob sie nicht ebenso demStaat dienten. Nun, ich glaube, Becher war sich wohl dessenbewußt, was er schrieb, und ich kann diese Stelle nicht füretwas so Faszinierendes halten, daß man darüber lange Betrach-tungen anstellen muß. Daß er den Fürsten den Diener des Staatsnannte und ihm die Soldaten und Priester beigab, ist nicht unbe-rechtigt, denn die Masse bestand und besteht schließlich immeraus den Angehörigen der drei Stände, und kann uns nicht hindern,anzunehmen, daß Becher wirklich in der Gesellschaft »a Systemof reciprocal Services« sah. Ja in der scharfen Einteilung in diedrei Stände steckt noch ein Überrest der mittelalterlichen Nah-rungsidee.