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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Der erste Teil des Werkes handelt »von der form derRegirung / das ist / von denen so regiren / und welche ihnendarinnen assistiren«. Er wendet sich damit zunächst an denFürsten , wie die meisten Kameralisten es tun, und untersucht dessenRechte und Pflichten. Erdberg hat nachgewiesen, daß er inseinen politischen Anschauungen stark von Holland , besonders vonPieter de la Court beeinflußt ist 30 ). Mit dessen Äußerung: »woPfaffen führen das Regiment / da nimbt es selten ein gut End«beginnt er seine Untersuchung, vermag sich aber dem protestanti-schen Niederländer nicht anzuschließen und meint, geistliche Re-genten hätten auch ihre Vorteile, wären vor allem friedliebender,ja sie seien »Pabst und Kaiser in ihrem Land selbsten« 31 ). DieRegierung könne entweder monarchisch, aristokratisch oder demo-kratisch, schließlich auch aus allen diesen Formen gemischt sein.Während sich Osse sofort für die Monarchie entschied, wägter ab. Er meint zwar: »Die monarchische Regirung hat vor allenanderen den Vorzug / und ist die gemeinste / ja gleichsam ein Eben-bild der Göttlichen Regirung / stabilirt in der heiligen Schrifft / an-genommen bey allen Nationen / und der Gemeind sehr vorträglich /dann ein Herr / der eine Succession hat / nimbt sich seiner Landund Leut viel besser an« ein Grund, der auch für Osse aus-schlaggebend war, aber sie habe auch ihre Nachteile, vorallem, daß sie zu oft Krieg führe, nur zu häufig seien die Monarchenihren Räten und Günstlingen unterworfen. Daß ihm das häufigeKriegführen als ein so großer Nachteil erscheint, ist fünfundzwanzigJahre nach dem dreißigjährigen Krieg kein Wunder. Auch dieAristokratie, bei der die Besten der Gemeinde die Herrschafthaben, hat in der Bibel und in der Gegenwart ihre Begründung;sie wird vor allem wegen ihrer Beständigkeit gelobt, da wederTyrannei noch Luxus in ihr herrschen; ja er meint sogar: »dannen-hero auch die Republiquen ins gemein besser floriren, als dieLänder / welche durch absolute Herren regirt werden« 32 ). Aberauch sie hat Mängel durch die Parteien, die sich bilden, und durchdas Fehlen jedes Respekts und Eifers, weil jeder mehr auf seinenals des Ganzen Nutzen bedacht ist. Die Demokratie erscheintihm als die ungeeignetste Regierungsform, denn hier findet sich»wegen der Menge keine Verschwiegenheit / wegen der meistenStimmen manchs mahl ein ungeschickt consultum«, auch geschehenhier oft »seditionen und rebellionen« 33 ). Darum wählt er als diebeste Art der Staatsleitung trotz aller Nachteile ein »ge-mischtes Regiment« aus, in dem der Fürst die Monarchie, die

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