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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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bedacht und zwischen Freigebigkeit und Sparsamkeit unterscheiden;denn »solche Regenten / welche nicht wissen / wie das Geld her-kommet / wissen auch nicht / wo / und an welche sie es nützlichanwenden sollen / sondern lencken sich nur ihrer Luxuri . . .nach« 37 ). Dann muß ein Regent schweigen können, aber dochbisweilen Wichtiges den Räten mitteilen, vor allem »mit Soldaten /und gelehrten Leuten behutsam umbgehen / dann Degen undFeder seynd zwey schärfte / und gloriose Instrumenta« 38 ). Aberdie Haupttugend ist es, wenn er gerecht und barmherzig ist.Zuviel beten ist auch nicht gut, denn es »heisset nicht allein Ora,sondern auch Labora« 39 ). Auch muß ein Fürst gern den Unter-tanen Gehör schenken. Das sind ungefähr all die Tugenden, dieBecher von einem Fürsten verlangt um des Volkes willen, denn»ein Regent soll Tugenthafft seyn / dann er ist . . . Spiegel /und Wart des gemeinen Volcks / worauff alle sehen / und sichdanach richten« 40 ). Was hilfts, meint Becher, wenn ein FürstTugend und ein ehrbares Leben von den Untertanen verlangtund selbst keine Moral kennt?

Qualis rex talis grex, daher achte er auf seine Diener.Vor allem sorge er dafür, daß sie seiner Religion seien, denn»wie kann er seinen Herrn lieben / den er / weil er widrigerReligion ist / glaubet / daß er in die Hölle komme« 41 ). So warder religiöse Zwiespalt schon soweit gediehen, daß Becher eineeinseitig konfessionelle Besetzung der Ämter fordern konnte,hatte er doch selbst den Glauben gewechselt, um sich »anzu-passen«. Es muß ein Herr aber auch solche Diener haben, dienicht alles ums Geld tun, die ihr Amt verstehen, fleißig und leut-selig gegen jedermann sind. Der Fürst darf sich nicht mit ihnenzu gemein machen, muß sie häufig kontrollieren, »ob sie ihremprivat-Nutzen zu sehr ergeben / ob sie ihren Weibern müssenpariren« 42 ), deshalb aber müssen sie gut besoldet sein. Wenn einRegent viel Diener brauche, dann, meint er lakonisch, richte eres so ein, daß sie ihn nicht viel kosten. Doch solle er sie sohalten, daß sie ihn lieben.

Wenn der Fürst nun die Diener gut bestellt hat, muß ersein Land und seine Untertanen prüfen; zunächst den Unter-halt des Staats. Becher warnt vor übermäßigen Ausgaben, vorailem vor luxuriösen Bauten und großen Hofhaltungen; war esdoch das Zeitalter Ludwigs XIV. Darum muß der Herrscher dasEinkommen des Landes kennen und danach die Steuern bemessen,aber vor allem auf die Liebe seiner Untertanen achten und ihnen