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zeigen, daß er es ehrlich mit ihnen meine; darum darf er ihnennicht Unrecht tun. Trotzdem muß er das Heft in der Hand be-halten und sie im Gehorsam erhalten, »dann ein RebellirenderUnterthan gefährlicher / als zehen aussländische Feind 43 )«. Des-halb muß er »seiner Unterthanen Bereichung und Begüterungmehr / als die seinige selbst suchen« 44 ), denn wenn er sie aussaugt,schadet er sich mehr damit als ihnen. Zwar — sagt er verächt-lich auf diese Leute — »großer Herren Cameralisten*) ver-meinen anjetzo / wann nur die Cammer-Güter wohl stehen / unddie Contributiones richtig einkommen / so sey es alles gut.« AberBecher denkt nicht so fiskalistisch. Zur Erhaltung des Landeswäre ein Ärarium recht nütze, das für die Not diene. Neben derBereicherung komme nun noch die Vermehrung des Landes inBetracht — getreu dem Grundsatz »volckreiche nahrhaffte Gemein « 45 ).Zur Vermehrung eines Staates diene aber seine Sicherheit, darumdürfe er nicht so verschuldet sein. Neben »guter Verwahrung«sei die beste Sicherheit »gute Einigkeit in Religion / in der Nation /Sprach / und Gemüthern« 46 ).
Im dritten Kapitel will er nun untersuchen, »wie / und woherdie Obrigkeit / und Gesetze ihren Ursprung genommen / wiesie müssen bestellt seyn / und wie weit sie sich erstrecken.« DieUntersuchung selbst beweist aber wieder den überragendenEinfluß, den die Bibel und das religiöse Moment auf dieseSchriftsteller ausübten, daß sie ihre Staatsanschauungen vornehm-lich danach aufbauten. So fordert auch Becher als letztes Ziel,daß die Menschen gottähnlich werden, denn alles komme vonGott und müsse zu Gottes Ehre geschehen. Das Ebenbild Gottesbestehe aus fünf Stücken: »in der vollkommenen Erkändnuss Gottes/als seiner selbst / in der höchsten Ehr / und Vollkommenheit / inder Allwissenheit / in der Allmächtigkeit / und in einer ewigenUnvergänglichkeit« 47 ), die Menschen aber müßten nun auch etwasvon diesen Stücken besitzen. Denn darin bestehe ihre Glückselig-keit und die Gesetze der Natur. Aber durch den Sündenfall seiendie Menschen der Glückseligkeit verlustig geworden und hättensich gespalten, deshalb habe »Gott die Obrigkeit gesetzt / undGesetze gegeben / die Menschen in den natürlichen Gesetzen zuerhalten« 48 ). Er erkennt also einen göttlichen Ursprung derHerrschergewalt an, sowie es die sächsischen Anonymi und die
*) Diese Stelle beweist deutlich, daß die Schriftsteller, die wir heute Kamera-listen nennen, sich damals nicht so nannten und scharf zwischen sich und den »Camera-listen« unterschieden, die ich deshalb Fiskalisten nennen will (s. Teil I, Kap. 6, S. 86).