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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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beeinträchtigen. Jedenfalls zeigt uns auch der kurze Überblick,daß Becher sich in dieser Ordnung sehr engherzig und nochrückständig genug zeigt und in diesen ewig bevormundendenVorschriften oft an die Kameralisten des 16. Jahrhunderts, besondersan Obrecht, erinnert. Es ist der enge Geist der Zeit, der vomKapitalismus noch keinen Hauch verspürt, der aus jenen Zeilenspricht. Aber so war der wahre Becher nicht; wir werdensehen, daß er oft genug einen scharfen Blick hat und durchausder Zeit voran ist, und müssen daher eher annehmen, daß mansolche Polizey-Ordnung von ihm wirklich verlangte, oder daß ersie dem betreffenden Fürsten möglichst genehm machen wollte.

Der zweite Teil des Diskurses handelt »Von Materider Republick / das ist / von denen so regirt werden / nemblichvon den Unterthanen«. Den staatsrechtlichen folgen damit diewirtschaftlichen Betrachtungen, die besonders den Handelbetreffen. Es ist von Interesse, die Bemerkung Smalls hierüberzu prüfen, die wieder von einem merkwürdigen Mißtrauen gegenBechers »Kameralismus« erfüllt sind, so daß »the inference that theauthor was not primarily a cameralist is strengthened«. Plötzlichhätte Becher seine Aufmerksamkeit auf den Handel gerichtet undseinen Appell zu dessen Beförderung in einer Art kameralistischenSchemas zusammengestümpert (»Becher patched his appeal forattention to the promotion of trade into a sort of general camerali-stic scheme«). Er zeige sich in einem Gegensatz zu den anderenKameralisten, deshalb wäre Becher jede Bedeutung abzusprechen,man müßte ihn schneller übergehen, »than the undue prominencegiven to him by Roscher will permit« 66 ). Ich möchte dagegenBecher als einen typischen, ja vielleicht als den bedeutendstender alten deutschen Kameralisten ansehen, und komme dazu, weilsich in ihm das merkantilistische Ideal am prägnantesten ausgeprägtzeigt, ohne daß ihm die privatwirtschafüichen Gesichtspunkte, dieihn als Politiker zum Kameralisten stempeln, etwa fehlen. Nachm. E. kommt Small zu seiner ganz entgegengesetzten Auffassunginfolge seiner recht verschwommenen Definition. Wenn man imKameralismus ein allgemeines System der Staatswissenschaftensieht, wie er, dem der Merkantilismus als Wirtschaftspolitik unter-geordnet ist, dann läßt sich seine Anschauung eher verstehen;rechtfertigen nicht, denn das Universelle war der Merkanti-lismus, das diesem Untergeordnete, weil auf kleinen Kreis(Deutschland ) Beschränkte, der Kameralismus. Nur in diesemSinne werden wir Becher als Kameralisten gerecht werden können.