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Der zweite Teil beschäftigt sich zunächst mit dem Wirkender drei Stände und ihren gegenseitigen Beziehungen. Siebrauchen eine Obrigkeit, damit nicht einer von der Gnade desanderen leben muß; und diese muß vor allem dafür sorgen, daßdie Gemeinde sich vergrößert, was geschieht, wenn man dieNahrung befördert, weshalb nichts so hinderlich ist, »als wannman die Kauff-Wahren / und Kauff-Leut mit hohen Zöllen undimposten beschwehrt / dann dardurch wird der Handelsmann be-wogen / seine Wahren theurer zu geben / solche imposten wieder-umb darauff zu schlagen.« Diese Abwälzung aber führe zumKauf bei Fremden oder zur Einschränkung des Konsums. »Esist andern theils nichts / welches den Bürger / und Handwercksmannmehr verderbt / als die schwere imposten / so auf die Lebens-Mittel /und die grosse Contribution, so auf solche Leut / und ihre Woh-nungen geschlagen werden«, denn so steigen die Löhne, und auchder Bauer leidet darunter, denn er kann »seine Früchte nicht ver-silbern« 87 ). Dann laufen die Leute aus dem Lande und die Zurück-bleibenden verarmen und können kaum Steuern zahlen. AllenStänden ist die Konsumtion nötig: »dann wo der Kauffmannsolchen hat / nimbt er dem Handwercksmann die Wahren ab / undwo der Handwercksmann seinen manufacturen einen gewissen Ver-schleiss weiss / da arbeitet er nit allein Tag und Nacht . . . / lebter nit allein besser / .. . und gibt dem Landmann Geld zu lösen . ..und da kan der Landmann alles . . . was ihme die Erde gibt / zuGeld machen / und seiner Obrigkeit . . . entrichten.« »Mit einemWort / die Consumption erhält diese drey Ständ / die Con-sumption ist ihre Seel... ja der Consumption wegen ist der Kauff-mann-Stand so nöhtig in der Gemeind / so gross darinnen derBauren-Stand / dann dieser vermehrt zwar die populosität / jeneraber ernehrt sie« 88 ), liegt doch die einzige Konsumtion bei demKaufmann, von dem Handwerker und Bauern leben; besondersaber bei jenen Verlegern, die für »Grundsäulen der Gemeinde« ge-halten werden müssen, weil von ihnen viele hundert Menschenleben können. — So zeigt Becher in durchaus systematischer Weiseden Nutzen des Miteinanderarbeitens der drei Stände, derenHarmonie von höchstem Segen für den Staat wäre. In einer sostillen Zeit wie der damaligen kann man es begreifen, wenn er sostark die Konsumtion und damit den Umsatz betont. Denn erstwenn sie angeregt ist, wird auch die Produktion in gesteigertemMaße ihr folgen. Hatte er also nicht recht, den Kaufmann, be-sonders den Verleger, als den Grundpfeiler des Staates an-