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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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anstatt der Straf venerirt, privilegirt, und nobilirt man bissweilen;eine Menschen-Art / die umb so viel böser ist« 72 ). Wir sehen ausdiesen Ausführungen schon, daß ein Programm aus ihnen spricht;der merkantilistische Geist hat diese wirtschaftspolitischenForderungen beseelt. Soll aus dem Staat etwas werden, meintBecher, dann muß nicht nur Harmonie unter den Ständenherrschen, dann gilt es auch Manufaktur und Handel im Landezu pflegen, und vor allem dazu berufen sind die großen Kauf-leute. So sagt er noch einmal, daß »nemlich sie allein vor Grund-säulen dieser dreyer Ständen zu halten seynd / dann von ihnenlebt der Handwercksmann / von diesen der Bauer / von diesen derEdelmann / von diesen der Lands-Fürst / und von diesen allenwieder der Kauffmann: das seynd die jenige Hände / welcheeinander vereinigen müssen« 73 ). Kann das Programm klarer sein?Oft wundern wir uns, meint er, daß Deutschland arm ist, das liegtzum großen Teil an den Kaufleuten. Denn die »Kauffmannschafft«ist »diejenige / von welcher der Staat an Geld und Nahrung ge-mehrt wird / ist negst der Natur diejenige Säuge-Mutter / welchedas noch junge Aufnehmen auch der desertesten Länder zumSprossen / zur Blüt.... bringet« 74 ). Der Handel ist das Blut desLandes, denkt er, nicht zu Unrecht, und je mehr er pulst undwallt, desto munterer und frischer ist der ganze Körper. MitRecht sagt ein Poet:

»Handlen / wandien und verkauften /

In der Welt her umher lauffen /

Bald zu Wasser / bald zu Lande /

Nutzet trefflich jedem Stande /

Wo die Kauffmannschafft recht blühet /

Und die Nahrung nach sich ziehet /

Da kan mancher noch auff Erden /

Reich und wol begütert werden« 76 ).

Die Konsumtion zerfällt in eine in- und eine ausländische,die erstere wird durch ein Privileg, »privativum« genannt, das dieEinfuhr fremder Waren verbietet, unterstützt. Wo das ist, findensich Verleger und Handwerker, und dann hat auch der Landmannseinen Vorteil davon. Die ausländische Konsumtion schickt dieWaren in die Fremde, die man durch Billigkeit und Güte derWaren erhält; damit diese aber wohlfeil sein können, muß das Lebenbillig und nicht von so hohen Abgaben beschwert sein; die Gütewird durch gute Rohstoffe und gute Meister erreicht. Deshalbmuß man die Auslandszölle abschaffen. Alle drei Stände haben

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2. Io

Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.