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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Leute nach der Nahrung zu proportionieren« 79 ); das Beste wäreein wachsames Auge auf alle Stände zu haben.

Das Propolium bespricht er nicht, sondern das Abwehr-mittel der Kaufleute gegen das Monopol und Polypol. Ersieht es in »Compagnien / oder Mascopien«, dadurch werden»auch die negotien besser erhoben / dann so eine gantze Com-pagnie hat mehr Mittel und credit, gehet auch viel sicherer / alsein privat Handelsmann« 80 ). Viererlei aber braucht man zu denCompagnien: »erstlich, dass sie von so viel Gliedern und portionenbestehen / als zur Erhebung dess Handels nöhtig«, ferner, »dasskein Mitglied in solcher Compagnie in solidum vor die andereverschrieben / noch die übrige Güter / Vermögen oder Schuldenausser der Quotä seyn / so in der Compagnie hafftet / obligirtseyn / oder mit / so in Schaden als Verlust participiren, dannsolcher gestalt würde das falliment eines eintzigen gnugsam seyn /alle andere / auch ausser der Compagnie zu verderben« 81 ). Erempfiehlt damit also eine Art G. m. b. H. Diese Kompagnie be-nötige ferner gemeinsame Verwaltung und Privilegien, damit sienicht von mächtigeren Kaufleuten über den Haufen geworfenwerde. Es gibt Privilegien für den Handel in und außer demLande. Dem einzelnen schenkte man damals noch wenig Ver-trauen, der Staat sollte alles bevormunden; so meint Becher, mantue sicherer, »daß man gewisse Compagnien fundirt, derer manversichert ist / und welche man in gewisse Leges restringirn kan /als dass man den Handl jedes Belieben lässet / und da man nichtversichert ist / ob er zu des Landes Besten / oder Schaden ge-führt ist« 82 ). Besondere Vorsicht empfiehlt er für die Privilegienzum ausländischen Handel.

Man kann den Handel in die verschiedensten Arten teilenoder auch in 14 Gruppen: Seiden-, Leinen-, Wollen-, Leder-,Buchhandel, Französisch-Nürnbergsche Manufakturen, Juwelier-,Glas-, Holz-, Metall-, Materialien-, Spezerei-, Friandis- und Vik-tualienhandel. Die Ausführlichkeit unserer Betrachtung leidetnicht, wenn wir diese 14 Arten nur kursorisch behandeln und nurdas Interessante heranziehen. Den Seidenhandel empfiehltBecher dringend, weil er Deutschland viel Gewinn bringen würde;den Wollenhandel nennt er ein Regal des Landes, wie er es inEngland , das er als Vorbild hinstellt, sei. Beim Buchhandelfindet er die Bücher zu wohlfeil, überhaupt sei die Lage für denVerleger mißlich, da er bald reich, bald arm werden könne. Esverrät nicht gerade hohe kulturelle Einsicht, wenn er sagt: es

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