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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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»könte dem Buchhandel nichts bessers wiederfahren / als wanman in io. Jahre nichts mehr trücke thäte / oder sonst ein Un-glück in die Bücher käme« 83 ), denn schließlich ist eine großeBücherproduktion doch das Zeichen hoher Kultur in einem Volk.

In dem Kapitel über die »Frantzösischen / Nürnbergischenund Augspurgischen Manufacturen und Handel« zeigt Bechersein warmes Empfinden für das deutsche Vaterland, wenn er mitbeißender Ironie die deutsche Vorliebe für französischen Tand und Kram geißelt. In diesen Zeiten, dem Ende des17. Jahrhunderts, erneuern sich die Klagen bei allen Patriotenimmer wieder, wir finden sie bei Hornigk ebenso wie in den Flug-schriften. Es waren die Tage, da in Versailles der Sonnen-könig auf der Höhe seines Ruhmes stand und dort mit uner-hörtem Luxus Hof hielt; und wenn es ihm auch nicht gelang,wie er es wollte, ein europäischer König zu werden, so erreichteer, daß er überall französischem Wesen zum Einzug verhalf, undjede kleinste Residenz ein Klein-Versailles sein wollte. Dagegenmußten die Männer, die merkantilistisch dachten, mit aller SchärfeVorgehen. Hören wir, was Becher hierzu sagt: »Ja uns Teutschenist schier kein Kleid mehr recht / wann es nicht auss Franckreichkombt / worvon Jährlich dann nicht nur eine Million auss Teutsch-land hinein gehen«, nun meint er spottend müsse man wissen, »dassdie Frantzösische Schermesser uns Teutschen den Bart besserscheren / als andere / die Frantzösische Scheren und Zangenschneiden besser die Nägel / und reissen die Haar auss / alsunsere / ihre Uhren gehen besser / wann sie die Teutsche zuPariss gemacht haben / als wann eben selbige Meister solche zuAugspurg gemacht hätten / dann die Lufft allda ist besserdarzu .... die Hembder seynd besser / wann sie die FrantzösischeLufft ein wenig perfumirt hat / (wiewol ehe ich sie anlegenthäte / den guten Geruch erstlich mit Schwebelrauch . . . ver-treiben wolte)«, »so haben auch die Frantzosen viel ein anderMass / einem die Kleider anzumessen / und zu machen / als dieTeutsche Schneider ... so lässet sich auch hernach ein solchFrantzösisch Haar von keinem Teutschen Kam kämmen / . . .noch sich das Teutsche Geld anders / als mit Frantzösischen Kartenverspielen«. »Ich hab von Frauenzimmer gehört / dass sich mitFrantzösischen Nadeln und Garn viel besser / als mit Teutschennähen lässet«. »Welcher unter uns Teutschen hätte wohl das Hertzgehabt / einem Weibsbild ein Stück Holtz über den Bauch zustecken / und sie weiss zu machen / sie wurde einen Buckel be-