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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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»Genau gedungen und baar bezahlt / ist auss schwartzem Kornweiss Meel gemahlt. Traw / schaw wem. Leben / und lebenlassen«. Ferner »dass contant einkauffen und verkauffen dassicherste seye; dass man in dem Einkauf und Verkauf creditieren /und borgen / die Augen / und gute Vorsicht mit nehmen sol;dass man nicht suche ein Monopolium zu haben« 95 ).

Zum Schluß bespricht er noch die zwanzig Hilfsmitteleines Kaufmanns: das Kontor, die Bücher, den Buchhalter,Kassierer, die Wechsel, Korrespondenz, die Schiffer, Güterbestätterusw. Das Kontor muß gut bestellt sein, »weil die Seel derHandlung das Geld / die Rechnung der Geist / das Contoraber beeder Leib ist« 96 ). »Die Handlsbücher seynd dessHandelsmanns Bibliotheck / die er als seinen Augapffel in Obachtnehmen muss.« Man hat »ein tägliches Klitterbuch / auch journal,worin ohn Unterscheid täglich / was fürkombt / notirt wird / dar-auss trägt man es hernach in die Bücher / setzt es in seine locoscommunes, und bringts ins credit oder debet, auss diesen Büchernmacht man hernach die Bilantzen« 97 ). Becher kannte also dieBuchführung sehr gut, die zur damaligen Zeit nach dem Vor-bilde Hollands und Italiens schon recht ausgebildet war. DerBuchhalter soll verschwiegen sein, der Kassierer muß Kautionstellen. Er empfiehlt den Giroverkehr, wenn er erzählt: »inHolland habe viel Kaufleut ihr Geld in der gemeinen Banck / undbezahle einander alda nur mit zu- oder abschreiben« 98 ). Dabeidenkt er wohl an die Girobank in Amsterdam , die 1609 nachitalienischem Vorbild entstand. Daß es auch in Deutschland schonderartige Banken gab, so in Lübeck, Hamburg und Nürnberg , warihm scheinbar unbekannt. Weiter sind in einem GeschäftSchreiber, Diener, Makler nötig, »dieses seynd die Spürhund«,ferner braucht es Wechsel und als Seele des Ganzen: die Korre-spondenz; aber das Ehrabschneiden soll der Kaufmann anderenüberlassen. Nötig sind ferner Packer, Kutscher, Schiffer; handelter über See, dann braucht er die »assuranten . . . Leut / die manassurierer nennet / welche Schif und Güter umb ein gewissesassuriren« 99 ). »Die Börss ist gleichsam dess Kaufmanns Schuel«,man hat sich verglichen »an einem gewissen Ort / zu gewisserZeit und Stund zusammen zu kommen« 10 °). Eine andere Zusammen-kunft der Kaufleute nennt man die »Comparitien« in den Wirts-häusern, da wird der Handel abgeschlossen. Denn am Vormittagist der Kaufmann im Kontor mit der Korrespondenz beschäftigtund gibt den Maklern Gehör, mittags auf der Börse, am Nach-