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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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mittag in den Komparitien 101 ). Aber auch der »Accidentienund Zufälle« muß der Kaufmann gedenken: Krieg, Pest, Brand,Bankerott. »Der gemeinste Zufal aber in der Handlung ist derpancrot, heisset so viel als ruptura banci«, weil die Bankherren sichan den ihnen anvertrauten Geldern vergriffen haben. Eine Kauf-mannskasse ist aber wie eine Bank, hat auch fremde Gelder. DerBankerott kann auf vielerlei Weise geschehen, durch Gewalt,Krieg, Brand, auch durch Diebstahl und Raub, dann muß derKaufmann sein Vermögen mit den Gläubigern teilen. Schließlichkommt der Bankerott auch »von den Kaufleuten selbsten her /wann sie stattlich fressen und sauffen / nie in die Bücher gucken /den Handel nicht verstehen . . . / Tag und Nacht im Sauss leben /die credit-Gelder in privatos usus wenden« . . . »das seynd nunrechte Dieb / und Schelmen«, ihre Güter sollen unter die Gläubigerverteilt werden 102 ). Nächst dem Verstand ist dem KaufmannEntschlossenheit nützlich, da er die Gelegenheit nicht ver-säumen darf, er kann auch »nicht viel still sitzen / sondern mussdas scheinende Glück mit beeden Händen schnei ergreiffen«,aber darf auch nichts übereilen. Schließlich braucht er auch dieFreiheit: »Dann wann Weg / Steg / und Päss / Handel / undWandel durch allzugrosse Zoll / imposten / und Hindernussen be-schwert / durch Monopolia , Polypolia, oder propolia gespert / wannein Land . . . arm an Menschen und Geld gemacht wird / . . . dazieht Handel und Wandel hinweg« 103 ). Zuletzt ist ein Kapitalvonnöten, denn »das Geld muss nun ein Handelsmann vor dieSeel in der Handlung halten / und alzeit machen / dass er damitwol versehen seye« 104 ). Das ist also das Fazit seiner privatwirt-schaftlichen Ausführungen über den Handel, daß das Geld derNerv aller Dinge sei.

Nach dieser eingehenden Darlegung des Handels wendetBecher sich dem dritten Feinde der Gesellschaft, dem Propolium,zu: das »die Gemeinde selbsten zertrennet / und dissipirt«, dennda ein Stand von dem andern leben und Eintracht herrschen soll,so wird sie durch das Propol zerstört, »auff teutsch den Vorkauff:diesem übel aber ist umb so viel böser zu steuren / je grösserenSchein der Billigkeit / und raison es hat; dann wer will einemverwehren / dass er nicht zu rechter Zeit vor andern / und von derersten Hand einkauffe / dann darinnen bestehet einig und alleineder Vortheil eines Handelsmanns« 106 ). Das aber ist noch keinPropolium, meint Becher: »sondern dieses wird ein propolium ge-nennet / wann durch der andern Vorkauff verursacht wird / dass