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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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lieh dazu ist vor allem eine »Besoldungs-Cassa«, die man miteinem »ansehnlichen / und der quotae der Besoldungs-Außgabcorrespondirendem Capital« versehen soll und dieses »also anlege /daß es sich jährlich umb seine quotam vermehre«. Dannkönne man schließlich aus der Vermehrung die Besoldungen be-zahlen 140 ). Dies Werk würde daher dem Fürsten viel nützen undseinen Schatz vergrößern, denn Geld wäre der beste Freund imKriege; es diente aber auch den Beamten, deren Besoldung festerwürde, und dem ganzen Lande, das weniger Steuern zu entrichtenbrauchte. Die Höhe der Kasse müsse sich nach der Quote derLöhne richten, diese nach der »Zahl und condition der Bedienten« 141 ).Das Rätsel nach dem Ursprung des Kapitals dieser Kassedenkt er sich auf die einfachste Weise gelöst: »daß jeder unterallen Ew. Chur.-Fürstl. Durchl. Bedienten alle Quartal denzwanzigsten Theil seiner jährlichen Besoldung fünffJahre lang zurück in der Besoldungs-cassa lasse.« Nachseiner Abdankung oder seinem Tode soll diese Summe ausgezahltwerden. Dadurch würde aber nach fünf Jahren die ganze Be-soldung einmal zusammen sein; da sich aber das Kapital jährlichum seine Quote vermehre, bliebe es unberührt, und vonder jetzigen »ordinar-Besoldung können die Bedienten bezahlt /und von der künfftigen Vermehrung des Besoldungs-Capitals kandie Cassa alle Jahr umb so viel vermehrt werden« 142 ). Becher ver-spricht sich also eine Wunderwirkung von dieser Kasse, tadelt dieBeamten mit den heftigsten Worten, die die kleine Summe nichterübrigen könnten. Er tröstet sie damit, daß sie in diesem Gelde,das nicht mit Arrest belegt werden dürfe, stets eine Reservehätten, denn die Kasse sei unerschöpflich. Jeder würde dadurchzum Sparen angehalten; daher würden es die Bedienten gern tun,»die es aber nicht thun wolten oder könten / seynd entwederwiderspänstige Narren oder verzweifflende Bettler«. Diese Kassewürde weder dem Fürsten Disreputation bereiten noch diene siedem Ämterkauf 143 ). Das Projekt ist ein starkes Stück Fiska-lismus, denn danach würde jeder Beamte um 2o°/ 0 seines Ge-halts verkürzt werden*), das bedeutete wirklich nicht mehr wirt-schaftliche Fürsorge, das war Konfiskation. Denn es war dochein schwacher Trost, daß der Beamte die zurückbehaltene Summenach seinem Abgänge erhalten sollte, da sie ihm nutzlos angelegtworden war. Die Zinsen erhielt ja der Staat, um daraus die Be-soldung zu bezahlen. Darüber aber »wie nemblich das Capital.

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*) Erdberg spricht irrtümlicherweise von nur 5% (a. a. O., S. 37).