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ein Stück Geld im Vorrath auff allen Fall und Begebenheitenhabe / dann er muß gedencken / daß er oberster Haußvatter undSteuermann sey«. So ist ihm ein Schatz von großem Nutzen, denndas Geld ist eine heilsame Medizin 147 ). Nun hat eine »Hoff- oderFinanz-Cammer« vier Feinde im Unverstand, Unfleiß, der Un-ordnung und Untreue. Deshalb muß »ein Cameralist internumrerum valorem verstehen«, aber er darf nicht nur an der HerrenInteresse denken, ganz gleich wie die Untertanen dabei fahren.Daher soll der Fürst vorsichtig in der Auswahl der Kamera-listen sein, muß sie gut bezahlen, sie aber müssen sich mit Fleißihren Aufgaben unterziehen 148 ). Mir erscheint diese Stelle inter-essant, weil sie einmal klar beweist, was man damals unter»Kameralisten« verstand: nicht die hervorragenden Beamten, zudenen Becher gehörte, die an leitender Stelle standen, sonderndie gewöhnlichen Kammerbeamten, die wir Fiskalisten nennenwollen [vgl. I, S. 86]*). — Der Kammerpräsident hat die schwerePflicht, zwischen den berechtigten und unberechtigten Forderungenzu unterscheiden, auch ist die Gefahr der Unehrlichkeit zu groß.Daher fragt es sich, ob es nicht besser wäre, die Hauptteile derKammer zu trennen. Die erste Abteilung bildet die Schatzkammer,die das gesamte fürstliche Vermögen verwaltet, die zweite empfängtalle Einnahmen, die dritte bestreitet alle Ausgaben, die vierte istdie »Camera Justificationis, der An- und Abforderungen / der Ein-nahm und Außgab«, und die fünfte die »Fiscal Cammer« dient der»Vermehrung der Intraden«. Jedes Kollegium hat sein Oberhaupt,keins soll dem andern gebieten, und am besten wäre es, wenn derFürst selbst allen als Präsident vorstünde 149 ).
*) Nur eine einzige Stelle ist mir bekannt geworden, in der Becher sichselbst einen Kamera listen nennt: In der »Copia / Eines Nohtwen-digen Memorials / Welches An die Röm. Kayserliche / auch zu Hungarn undBöhmen Königliche Majestät Allerunterthänigst überreichet geworden, 1678« (vorhandenUniv.-Bibl. Jena) sagt er: »Meine erste Dienste sind Chur -Mayntz Joh. Philipsen Sei.andenkens gew'esen. Was ich alda gegolten / was in Feurwerken / Fortification, ge-passieret / ist denen bekant / so damahls gelebet. Die mühselige Vocation derMedicin, die gefährliche Zeiten der infection haben mich veruhrsachet meine Dienstezu verlassen / und die Cameralia zu ergreifen. So kan ja wohl auch ein Medicus /ein Politicus und Cameralist seyn« (S. 27). Diese Worte haben auch biogra-phisches Interesse, wie überhaupt diese kleine Schrift bemerkenswerte Aufschlüsseüber Bechers Leben gibt. Hauptsächlich beschäftigt sie sich mit seiner WienerTätigkeit und will die Anschuldigungen, die gegen ihn als Leiter des Taborhauses er-hoben wurden, W'iderlegen: »Wäre man mir an die Hand gegangen / als man michgehindert hat / so solte das Commerden- und Manufactur-Wesen weit ein ander Aus-sehen haben / und das Land in besseren Flor stehen« (S. 18).