Der fünfte Teil über die »Ost und West-Indische /Teutschland angehende Commercien-Sachen« beschäf-tigt sich eingehend mit der Kolonialpolitik, für die Becherwerben will. Unermüdlich ersann er neue Pläne, rastlos schuf erneue Projekte und verstand es wie kaum ein anderer, die Deutschen auf Hilfsquellen hinzuweisen, an die sie noch nicht gedacht hatten.Hatte er nicht recht, wenn er sich mit aller Kraft für die kolonialenIdeen einsetzte und mit der ihm eigenen Begeisterungsfähigkeitfür sie kämpfte? Damals wäre es noch Zeit gewesen, wennDeutschland bei der Aufteilung der Erde nicht zu kurz kommenwollte, aber die Zerissenheit machte es hilflos, und zur Ausführungder weltwirtschaftlichen Ideen waren die Territorien bei ihrerKleinheit nicht geeignet. Becher meint, es gehöre Mut dazu, dieseAkten zu veröffentlichen, weil man die gern für Narren halte, diesich für die Kolonialpolitik erwärmten. Deshalb sei der MarkgrafHermann von Baden » so den Namen und die Handlung nachOst-Indien uns Teutschen in den Kopff gebracht« besonders zuloben, neben ihm Bischof Roxas und Daniel Crafft von Wertheimb.Mit deren Unterstützung hat Becher die »Fundation einer Ost-Indischen Compagnie und Colonie vorgenommen« 160 ). Dieses Projekthaben wir schon in der biographischen Einleitung kennen gelernt.
In der »Relation wegen derHanaw-West-IndischenSachen« entwickelt Becher kolonialpolitische Anschau-ungen, die uns ganz modern anmuten. Er hatte es verstanden,den Grafen von Hanau für seine Pläne zu interessieren,wenn er auch wußte, daß das Werk dadurch »mehr in discredit,als Regulation kommen werde« 151 ). In dessen Aufträge reisteer nach Amsterdam , führte über diese Reise ein interessantesTagebuch und erwirkte dort einen Vertrag mit der west-indischen Compagnie, wonach der Graf »ein Stück Landzwischen den Rio Orenoke und Las Amazonas 30. MeilWegs breit an der See gelegen / und 100. in der Tieffe« erhaltensollte 152 ). In einer Deduktion entwickelt Becher sein kolonial-politischesProgramm: »Es ist weltkündig der Deutsche langeKrieg / und wie die Graffschafft Hanau darinnen ist mit herge-nommen worden / ja daß alles dieser Graffschafft Schulden meistdavon herrühren. Es ist auch weiter bekant / daß alle Cameralistenkein ander Mittel wissen / ihrer Herren Schulden zu bezahlen /und ihre Intraden zu vermehren / als durch ordinari Mittel /nemblich durch Contribution und Auflag der Unterthanen« 163 ).Kann es also jemand dem Hanauer Grafen verdenken, fragt Becher,