wenn er auf ein anderes Mittel sann, um »vielen tausend armenbedrängten Menschen /ja der gantzen Teutschen Nation ein asylum«zu verschaffen? Vergessen wir nicht, daß Becher selbst es war,der dies Mittel dem Grafen suggerierte. Denn in Deutschland ist das Land teuer, Guyana dagegen ist ein herrliches StückErde, das nichts kostet, es ist weder mit Lasten beschwert nocherfordert es teure Arbeitskräfte, es zeichnet sich durch großeFruchtbarkeit und ein günstiges Klima aus, und nicht einmal Geldist vonnöten. So ist es »weltkündig . . . daß der jenige StrichLandes in Indien / so nun Ilanauisch ist / gleichsam ohne Ver-gleich besser und fruchtbarer als unser Deutschland ist«. Deshalbdarf mit der Bebauung nicht gezögert werden 184 ). Becher ist einsehr weitblickender Kolonialpolitiker; in der Zeit, da die Spanierund andere Kolonialvölker einen unerhörten Raubbau in denNeuländern trieben und die Eingeborenen, das kostbarste Materialder Kolonien, ausrotteten, mahnt er: »Zum Anfang nun dieserLandscultivirung zu kommen / so ist vor allen Dingen nöhtig/daß man die Indianer zu Freunden halte / sie nicht todschlage / noch sich an ihre Weiber halte«. Ebenso nötig ist dieSelbsterhaltung der Kolonie: aus Europa darf keine
Nahrung kommen. Erst wenn das Nötigste angebaut ist, soll manNutzpflanzen wie Indigo, Tabak, Zucker, Baumwolle pflegen. Amratsamsten wäre der Zuckerbau, der damals schon eine großeRolle gespielt haben muß. Zu ihm sind Neger erforderlich, diekein Geld erhalten, denn »seynd sie Selbsten das beste Geld«. DieSklaverei, die in dieser Epoche blühte, hielt auch Becher fürnötig 156 ).
Becher will seine Kolonie dem Deutschtum dienstbarmachen: daher soll sie aus Deutschen bestehen, »solcheHochteutsche nun mögen theils verheurahtet / teils unverheurahtetseyn / doch wäre besser / daß sie verheurahtet wären«. Ist esnicht ein Grundsatz, den wir heute immer wieder hören, wenn ervon den Kolonisten fordert, daß es »freywillige / ehrliche /dapffere Leute seyn / welche einen ehrlichen profit zu gewinnenund mit Ehren wieder in ihr Vaterland zu kommen suchen. Dannwann das erste Fundament einer Coloni falsch und auffHuren und Buben fundirt ist / was kan gutes darauß erfolgen«?Zur Verwaltung der Kolonie dienen drei Kontore: das eine inIndien — wie Becher oft fälschlich sagt —, das andere in Amster-dam und das dritte in Frankfurt a. M. Der geeigneten Ausbeutungder Kolonialschätze soll eine Kompanie dienen 156 ).