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in die neue Heimat gingen, um sich dort ordentlich zu ernähren,und so dem Vaterlande zum Segen zu werden 160 )?
Immer wieder betont Becher, daß der Fortschritt nötigsei: er will die Schläfer wachrufen, um das Vaterland aus den engenFesseln zu befreien. Darin gleicht er List, daß er mit kühnemprophetischen Blick ein Groß-Deutschland forderte: »Daß wirWein und Brodt in Deutschland haben / ist wahr / doch nichtaller Orten / daß wir aber dessentwegen nicht nach einemhohem trachten /' sondern gleich wie der Haß / wo er geheckt/ bleiben sollen / folget nicht darauß / denn der Mensch lebtnicht allein vom Brodt / sondern gehören noch andere Dingemehr darzu / welche / daß sie anderwertig / als auß Deutschland müssen geholet / und das teutsche Geld davor hinauß gesendetwerden / der effect weiset / nemlich / daß in Deutschland beynahekein Handel und Wandel sey«. Das neue Deutschland brauchtein neues Regiment. Die Spottvögel, die an das Land nichtglaubten, sollten es nur besuchen, denn es wäre gut, »daß solcheungläubige Dhomas selbst hinein reisen / und die Finger in dieErd stecken / so werden sie sehen / daß jenseits des großen Bachesdie Welt nicht seye mit Brettern zugeschlagen / sondern noch soviel Land vorhanden / daß sich gantz Deutschland dahin salviren ^
könte« 161 ). Mit einem flammenden Aufruf wendet er sich nocheinmal an alle Deutsche: »Wohlan dann dapffere Deutschen / machet / daß man in der Mapp neben neu Spanien / neuFranckreich / neu Engelland / auch ins künfftige neu Deutschland finde/es fehlet euch so wenig an Verstand und Resolution solcheSachen zu thun / als andern Nationen / ja ihr habet alles dieses /was darzu vonnöthen ist / ihr seyd Soldaten und Bauren / wachtsamund arbeitsam / fleißig und unverdroßen / ihr könt auff einmahlviel gute Sachen thun / durch ein exemplarisches Leben und guteOrdnung / die Indianer zu Freunden und civilen Menschen / javielleicht zu Christen machen / ihr selbsten werdet länger leben /frölicher und vergnügter seyn / wann ihr in einem der gestaltangenehmen Climat / für keine Nahrung so mühsam sorgen dörfft/ könnet also nicht allein Euch in Indien / sondern Euern Freunden
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auch hieraußen in Deutschland dienen« 162 ). — Aber vergebens!
Auch diese Verheißung eines Wunderlandes lockte nicht, undBechers Kolonialpläne scheiterten wie soviele andere, dieer entwarf.