Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

251

ß) Referat Wie die Commercien auch ge-meiner Handel und wandel, gegenwärtig,in Ihro Kays. Mays. Erblanden, beschaffenseye, auch wie solchen, durch restabilirung eineßCommercien Collegy, könnte geholfen werden, daßsie denen Kays. Erblanden zur Ehr und nutzenbeßer florirten.

Überreicht Ihro Kayserl. Mays. Zu Laxenburg den n. May 1674.

Dieses Referat, von dem wir bisher keine Veröffent-lichung besaßen, und das nur als Handschrift*) vorhandenist, enthält ein vom Kaiser Leopold I, verlangtes Gutachten.Dem Eindruck, den der Politische Diseurs gemacht hatte, entsprach* es wohl, daß der Kaiser recht zu tun glaubte, wenn er von diesem

Autor eine wirtschaftliche Enquete forderte, die ähnliche Gedankenenthält, wie wir sie schon im zweiten Teil des »Politischen Dis-curses« vorfanden. Dem Idealbild, das er dort entwirft, stellt erhier die wahre Wirklichkeit gegenüber: so sieht es in Öster-

reich jetzt aus.

In zwölf Punkten schildert er die wirtschaftlichenZustände: Da der Bauernstand im Staate der größte undnötigste ist, muß auf seine Erhaltung und Vermehrung ammeisten gegeben werden. Deshalb müssen die Bauern ihre Früchteversilbern können, um pünktlich die Steuern zu zahlen. Das aberwird jetzt verhindert durch die hohen Zölle und die Propolien, dieeinige Herren mit den Feldfrüchten treiben. Besonders aber istnoch eine Ursache Schuld die wir auch heute in landwirtschaft-lichen Kreisen hören: »Über alles aber ruinirt Ewer Kays.Mays. Erb Länder, Und dero Unterthanen Viel mehr, als der grösteFeind, der zu wohlfeile Preiß des Weins, Und Lieben Getraids,welche vilitas pretii nicht allein viel Bettler, und müßigeß GesindtVerursachet, auch mit der Zeit die höchste gelt Tewrung machenwird, sondern es fällt gleichsam dem Bawren unmöglich, solchesdafür zu Bawen will geschweigen, daß Gesindt dazu zu halten,n und noch alles zu Versilberen.« So wälzt der Landwirt seine Not

*) Srbik erwähnt diese interessante Handschrift (a. a. O., S. 51, Anm. 1), diesich auf der K. K. Hofbibliothek zu Wien (Msk., Nr. 12467) befindet. Daß Smallsie nicht kennt, ist nicht verwunderlich, für ihn existieren nur die beiden ersten Teiledes »Politischen Discurses«, aber auch Erdberg hat sie sich wie so manche andereSchrift entgehen lassen. Außer bei Srbik finde ich das Referat nur noch bei Max Adler :»Die Anfänge der merkantilistischen Gewerbepolitik in Österreich« 1913; III, I genannt.

4