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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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er ein Arbeitsgeld, das allen Menschen gegeben sei, währendjetzt das Geld nur Ungleichheit und Knechtschaft unter denMenschen schaffe. Der Gegensatz zu seinen sonstigen Äuße-rungen über das Geld ist allerdings frappant: er scheint hierganz vergessen zu haben, wie sehr er sonst die Bedeutung desGeldes betonte. Als Ethiker verwirft er, was er als Politikerbilligt.

Nachdem er alles Unglück und alle Not, die über die Menschenhereinbrachen, geschildert hat, will er endlich den Weg zur Glück-seligkeit zeigen, den er nach vielen Stürmen des Lebens ge-funden habe. Dazu gehört zuerst die Ehre Gottes, aber dieäußere Verehrung darf nicht die wahre Liebe verdrängen, dieTaten sollen die Worte ersetzen. Es gibt keine hoffärtigerenMenschen als die Theologen. »Dise Glückseligkeit bedarff anderZeugniß gar nicht / sondern gibt selbst Zeugniß von sich / darumbmacht sie auch den Menschen in sich selbst glückselig« 203 ). DieserZustand kann aber nur durch völlige Gleichheit erreichtwerden: »Wo rühret alle Armuth / Hoffart / Sorg / Ubermuth /Haß / Neid und Feindschafft her / als auß der Liebe was eigeneszu besitzen? Wollte Gott / daß gleich wie wir alle Menschenseyn / also auch alle füreinander sorgten / daß unser Gütergemein / und gleich wären.« Der Weg zur Glückseligkeit istviel leichter als der zur Unglückseligkeit, aber das Grundprinzipmuß die Gleichheit sein wie bei den Bienen. Denn »dieses istnun der Grund unter den Thieren und Menschen eine glückseligeRegierung anzufangen / daß nemlich die Ungleichheit der Würdenauffgehoben / und daß die Güter mit gleicher Arbeit erworben /auch gemein würden.« Hoffart, Haß, Neid und Armut würdenaufhören, »wan wir eine rechte Christliche gemeinschaft /communionem Christianorum, hätten« 204 ). So stellt er dasPostulat des Kommunismus auf und predigt einen Zukunfts-staat wie Thomas Morus .

Der zweite Grad, die Glückseligkeit zu erlangen, ist einwahres Verhältnis zwischen Obrigkeit und Untertanen.Denn wenn auch die Untertanen recht handeln, die Obrigkeit aberfalsch mit ihnen umgeht, so ist doch alles verloren. »Es bestehetaber der Obrigkeit Ampt hierin / daß sie den Unterthanenauffhelffen / und alle ihre Anlagen also anstellen / daß sie zumgemeinen Besten / und nicht den Unterthanen zum Verderben ge-reichen /ja daß sie als Vätter ihren Unterthanen Rath und Thatgeben / ihr bestes suche / ihnen fort und auffhelffen / sie regieren