lassen / und das schlimme mit großer Mühe bauen / hernach überGOTT klagen / daß ein Land so armselig seye / was kan GOttdafür / daß wir solche Narren seyn / an einem schlimmen Theilder Welt übereinander hocken . . . hingegen das beste Theil derWelt sambt der güldenen libertät frey und unbewohnt lassen« 208 )-Wie oft ist von den Merkantilisten behauptet worden, daßihnen das landwirtschaftliche Interesse fehle; diese Stellewird die alte Meinung Lügen strafen. Denn Becher preistdas Landleben mit den schwungvollsten Worten gleich denDichtern dieser Zeit der Schäferlyrik, und Virgils Georgica erscheintihm als leuchtendes Vorbild 209 ). Hier in dem Moral Diseurs ist erein ganz anderer als im Politischen Diseurs, dort will er Kämpfersein, hier sucht er ein Leben in Ruhe und Frieden und fordertein »Zurück zur Natur!« Dadurch werden wir die Glückseligkeitwahrhaft erlangen, denn »das ist Gottes / das ist der Natur / dasist aller ehrlicher frommer Mensch Will / die mit Gott und derNatur eine Harmonij verlangen« 210 ).
Psychosophia oder Seelen-Weißheit.
Wie nemblich ein jeder Mensch aus Betrach-tung seiner Seelen selbst allein alle Wissenschaftund Weißheit gründlich und beständig erlangenkönne. 1682.
Die »Psychosophia« ähnelt darin der »Närrischen Weiß-heit«, daß auch sie noch einmal alle Gedanken Bechers zusammen-fassen will, nennt er sie doch selbst »ein Außzug und Safftaller meiner Schrifften«; denn es war meine Absicht »mitdiesem Buche alle meine Schriften zu beschließen / und damitdem Bücherschreiben einen Abschied zu geben« 211 ). Es ist einmerkwürdiges Buch, das streng philosophisch zu sein versucht undeigentlich nichts anderes als ein Sammelsurium aller möglichenIdeen darstellt, an dem wir den Autodidakten erkennen; deshalbfehlt ihm auch die Klarheit und Systematik, die die politischenSchriften Bechers auszeichnet. Vieles wird erst jetzt durch dieAuffindung des Moral Discurses verständlich werden.
Der Zweck der »Seelen-Weißheit« ist, der ErkenntnisGottes zu dienen. Denn die Philosophie sei dem Menschen zunichts weiter nützlich, »als nur so weit sie seinen Verstand schärffet /