dadurch sich / die Neben-Geschöpffe / und seinen Schöpffer zu er-kennen. Dann gleichwie der Mensch ohne Seele todt ist / alsoist die menschliche Seel ohne Verstand ebenmäßig gleichsamtodt und nichts / ist ja als wann sie nicht wäre / dann ohne Ver-stand kan die Seele weder sich selbst / noch was um sie / oderwas über ihr ist / weder geist- noch leibliche Sachen verstehen«.Je mehr also die Seele an Verstand zunimmt, desto mehr erkenntsie, und je mehr sie sich selbst erkennt, desto mehr auch Gott:»dann so bald die Seele in dem Menschen in den Stand kommt /daß sie verstehet / so ist das erste / daß sie erkennet / daß sie einMensch sey / nemblich mit dem Leib ein Mensch genennet werde« 212 ).Becher würde damit nichts anderes meinen, als daß die Seele erstim Menschen zum Bewußtsein ihrer selbst gelange. Er behandeltdie Probleme in der oft angewandten Form des Dialoges. EinPsychosoph— das ist er selbst der christliche Metaphysiker— und ein Philosoph führen das Gespräch, das sich um denMenschen, die Seele und ihre Kenntnisse von Gott dreht. Wennder Philosoph fragt: »wie erkennet die Seel / daß sie sey / odersolte einer wol von sich selbst z weif fein / daß er sey?« und derPsychosoph antwortet: »Einige heutige Philosophen oder vielmehrnaseweise Menschen wollen / man solle von allem / was vorkommt /zweiffeln / also auch von mir selbsten« 2I3 ). Dann spürt man deut-lich den Einfluß des Descartes, den Becher aber überwinden will.Die Kenntnisse der Seele von Gott bestehen darin, daß sie ihnals Ursache aller Ursachen annimmt 214 ). Da jeder Menschseine Seele spüret, die von etwas Höherem kommen müsse, kommeer zur Erkenntnis Gottes und der Religion 216 ). Wenn auch nurdie Christen die wahre Religion hätten, so dürfe man niemandem»seinen Glauben und Meynung einpredigen und eindringen« 216 ),fordert Becher hier in seltener Toleranz.
Die Besprechung der Eigenschaften Gottes dient ihmdazu, auf seine verschiedenen Schriften und die in ihnen ver-tretenen Gedanken hinzuweisen. Gott ist glückselig, aber derMensch könnte es auch sein, das ist die Forderung des MoralDiscurses 217 ). Gott ist allwissend, der Mensch muß drei Punktebetrachten: reden, urteilen, handeln. Es wäre besser, »daß in derWelt nur eine Sprach ein Glaub / ein Gelt / eine Kleider Trachtwäre« 218 ); damit vertritt er eine kosmopolitische Idee. Auch die Meta-physik — hier behandelt er das »Urteil« — hat viel Böses in die Weltgebracht »wie dann des Cartesii Philosophia / und des Spinosae Ethicnicht wenig dazu contribuiret« 219 ). Was aber hat es mit dem Tun