er seinem Werke beigibt. »Erstlich wird einem jeden seineReligion frey gelassen /und mag sie exerciren / wann und woer wil / vor sich / nur daß er andere / nicht ärgere / von der Religionnicht disputiere . . . Zweytens sind in dieser Societät keine ab-sonderliche Kleider-Trachten oder Ceremonien / sondernbleibt ein jeder in seinem Ehren-Stande / Dignität und Profession /worinnen er vorhin auch ist. Drittens / sein Vermögen undSchulden / so er hat / haben mit dieser Gesellschafft nichts zuthun / als das quantum oder die quota, so er hineinlegt.Viertens / er hat keine andere Obligation, als so lang er in derSocietät lebt / den Regeln und Gesetzen nachzukommen / und kanwieder heraus / wann er wil« 230 ). Der Zweck der Gesell-schaft besteht darin: »erstlich / in Fried/Stille und Ruhe zu leben /der Andacht und Tugenden abzuwarten / Welt Händel und derWeitläufftigkeit sich entschlagen. Zweytens / wegen Wohnung/Speiß und Tranck versorgt / und der Geld-Sorg überhaben zuseyn. Drittens die Jugend zu lehren / in Tugend und Wissen-schafften auff zu erziehen. Viertens / der Krancken zu warten.«Die Gemeinde braucht deshalb ein Stück Land, aber auch Kapitalzur Beschaffung der nötigen Geldmittel und verschiedene Schulen.Jedes Mitglied hat eine Einlage zu machen, es erhältjährlich davon »nach Proportion seiner Einlag / seinenTheil«; es kann sich aber auch eine Leibrente kaufen 231 ). —So gleicht diese psychosophische Gesellschaft weniger einer kom-munistischen Gemeinde als einer Genossenschaft der »Brüder vomgeruhigen Leben«.
Wir stehen vor einem merkwürdigen Widerspruch: dennBecher zeigt sich in seinen philosophisch-ethischen Schriften alsein ganz anderer wie in den politischen. Diesen Gegensatzkannte schon Roscher, der von einer »merkwürdigen theoretischenWendung« spricht, die sich in den letzten Jahren Bechers voll-zogen habe, und die dokumentiere, daß er an jeder Kultur ver-zagt habe. Er versucht dem Rätsel eine moralische Lösung zugeben: »kein Wunder bei einem so eitlen Mann, der alles mitEnthusiasmus ergriff, die Schwierigkeit seiner Pläne tief unter-schätzte und jedes Scheitern als persönliche Beleidigung empfand« 232 ).Auch der Biograph Erdberg stand vor diesen Schwierigkeiten:»Tatsächlich bekennt Becher sich,« sagt er, »zu diesen Ideen, ohnejedoch an die Realisierung derselben zu denken, oder gar von derDurchführung derselben die Möglichkeit kulturellen Fortschrittes.abhängig machen zu wollen.« »Ich vermag nicht einzusehen,«
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