Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
281
Einzelbild herunterladen
 

dazu muß es unabhängig sein und vor allem nicht sein gutes Geld fürfremde Waren ausgeben. Welchen Widerstand man einem unbe-quemen Mahner wie ihm entgegensetzen würde, wußte Hornigk,hatte er doch Bechers Schicksal vor Augen, aber das sollte ihnnicht verdrießen, gleich seinem Schwager für das Wohl seinesLandes zu streiten. Zu den Schreiern gehörten, meint er, vor allemdie Kaufleute, die entweder als Ausländer sich um das Land nichtkümmerten oder mit fremdem Kapital und Kredit handelten. Keines-wegs sei er ein Feind der Kaufleute, wolle doch seine Schriftvor allem den Handel fördern. Aber man müsse sie in zweiGattungen teilen: die eine, die dem Staat nützt, die andere, dieihm schadet: »Jene ist erstlich / wo die inländische überflüssigeGüter nicht rohe . . . sondern in manufacturen hinauswerts ver-handelt / und dafür fremdes Geld in das Land gezogen wird« oderdie im Ausland kauft und verkauft oder im Land die verarbeitetenRohstoffe absetzt, da wird »das eigene Geld ... im Land er-halten«. »Wo aber nach der zweyten Gattung ein kauffmannblosser Dinge manufacturen ausser Landes kaufft / um selbige /wie sie seynd / inner land wieder zu verkauften / und dafür dasgute Geld hinausträgt / oder blosshin ausländische factoreyen treibt/ das ist eine nichtswürdige / verderbliche und unerträglichekrämerey.« Die erste Gattung soll »wie auf Händen getragenwerden« 10 ), die andere aber ist es, die gegen die Reformenschreit, aus Furcht, daß ihr die Larve abgezogen werde. Mit denNeugestaltungen müssen die Fürsten beginnen, dann werden dieandern nachfolgen.

Noch eine alberne Einrede werde gemacht: unsere Vorelternhätten nichts von all diesen Neuerungen gewußt, und es sei ihnendoch gut gegangen. Das stimme schon, aber »sie jagten nichtalle Jahr nur allein für die Frantzösische Schand-Waaren drey odervier Millionen Gulden baaren Gelds . . . hinaus«, sie trugen keine»Frantzösischen Lumpen / die noch dazu alle halbe Jahr durchAenderung der Mode unnütz gemacht werden« 11 ), sondern heimischeStoffe, antwortet Hornigk. Jedermann schreit zwar, die altenZeiten wären besser gewesen, aber niemand erforscht den Grund.Damals waren auch die Nachbarn nicht so mächtig wie heute.Denn nicht die Handels- sondern die politische Bilanz istdas Grundproblem, meint Hornigk: »Dann ob heutigen Tagseine Nation mächtig und reich sey oder nicht / hangt nicht ab vonder Menge oder Wenigkeit ihrer Kräffte oder Reichthum / sondernfürnehmlich ab deme / ob ihre Nachbarn deren mehr oder weniger