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als sie besitzen. Dann mächtig und reich zu seyn / ist zu einemRelativo worden / gegen die jenige / so schwächer und ärmerseynd 12 )«. Hier spricht er deutlich aus, was alle Merkantilistendachten: nicht der Geldbesitz an sich ist zu erstreben, sondern dieMacht, die das Geld über andere verleiht. Da sich alles geänderthat, muß auch Deutschland mit der Zeit mitgehen.
• »Wo einem Land alle /oder doch dieFürnemste und mehreste/zu menschlicher Noth und Wohlfahrt gehörige Dinge in Sattsam-keit und Independentz von andern bescheret seynd / und denenEinwohnern die genügsame natürliche Fähigkeit sich deren rechtzu gebrauchen beywohnet / da muss nothwendig entweder Reich-thum / Überfluss / und Macht zu genügen / oder wofern nicht /alsdann der Mangel an dem blossen Willen seyn« 13 ). Zweierleimuß man bei allen zum Leben nötigen Dingen beachten: ihrenatürliche Beschaffenheit und Pflege; auch die Dinge der Landes-ökonomie sind zweierlei Art: »auf eine Seite stelle ich Goldund Silber ... als die in ihrem Werth und Nutzen allen andernDingen gleichkommen / und wegen ihres Civil-Gebrauchs gantzanderer Art seynd. Auf die andere Seite setze ich alle übrigenDinge« 14 ). Damit betont er wohl 'nur den Wert der Edelmetalle,sagt aber nochmals, daß es nicht auf ihren bloßen Besitz ankomme:»Nun ist hiebey zu bedencken / dass wo ein Land nur Gold undSilber / obgleich dessen genugsam / brächte / solches zwar reich /aber noch weit von der wahren Vollkommenheit und Independentzentlegen seyn würde / weilen es sich von Gold und Silber wederspeisen noch kleiden könnte / und von anderen Ländern depen-dirte / ob diese ihm die übrige Nothdurfften dafür wolten abfolgenlassen« 15 ). Ja das Land, das weder Gold noch Silber hat, könnteauch bestehen, doch hinge es von der Gutwilligkeit der Fremdenab, ob sie ihm seine Waren abnehmen. Am übelsten ginge esaber dem, das keines von beiden habe; während ein Staat mitEdelmetallen und aller nötigen Notdurft glücklich zupreisen sei, »weilen er eine kleine Welt für sich selbst undvon andern allerdings indepedent darstellet«. Die Pflege der Güterbesteht in ihrer Herbeischaffung, Formgebung und »in ihrer allerrechtmässiger Anwendung so in- als ausser Landes«, denn einLand mit blühenden Manufakturen kann reicher sein als eines mitvielen Rohstoffen: jedes muß sie selbst verarbeiten, damit nichtdie Fremden »das beste Marek aus dem Leibe saugen« 16 ). DerÜberfluß eines Landes, betont er noch einmal, besteht in Goldund Silber und allen zum Lebensunterhalt nötigen Dingen, daher