Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

muß die Obrigkeit darauf sehen, ihn in Unabhängigkeit von denanderen zu erlangen.

Wie sie das tun soll, zeigt er ihr in neun Regeln, dieals ein merkantilistisches Programm Berühmtheit erlangthaben, die man aber nicht als auf alle Merkantilisten an-wendbar ansehen kann, wie sich ja nichts am Merkantilismus infeste Grenzen bringen läßt. Nötig ist, meint er: erstens genaueErforschung des Landes, nichts darf unbenutzt, »nichts nutz-bares unter der sonnen unversucht« bleiben, vor allem ist ohneRücksicht auf Kosten und Mühe für den Abbau der Edelmetallezu sorgen. Zweitens fordert er die Verarbeitung aller Roh-stoffe im Lande, da der Wert des fertigen den des Rohproduktsbei weitem übertrifft. An dritter Stelle steht die Sorge für dieBevölkerung des Landes, »so viel Menschen nur immer sichdrinnen ernehren können / als eines wohlgeordneten staats höchste. . . Angelegenheit«; und zwar sollen alle genügend Beschäftigungfinden und in allerhand Künsten und Handwerken unterrichtetwerden. Viertens: »Gold und Silber / so einmahl in das land /es sey aus eigenem bau / oder aus der fremde / durch industriekommen / ist in keinerley weiss noch wege / es sey für wases wolle / so viel nur immer möglich / wieder hinaus zu ver-tragen / noch zugegeben / dass es in kisten oder kästen vergrabenwerde / sondern immerzu in der cirkulation bleibe.« So kanndas Land nicht arm werden. Daher müssen sich fünftens dieLandeinwohner mit heimischen Waren begnügen, »mit solchenallein ihre lüsternheit und pracht begräntzen«, und sechstens,was sie schließlich doch von Fremden brauchten, gegen Warenund nicht gegen Gold und Silber eintauschen. Das sollenaber siebentens möglichst nur Rohstoffe sein, die dannim Lande verarbeitet werden. Achtens ist dafür zu sorgen,die überflüssigen Güter »bey denen Aussländern in verarbei-teteter Gestalt . . . und zwar um gold und silber anzuwerden /und zu dem ende die consumtion . . . bis an das äusserste endeder weit zu suchen«. Neuntens: Keineswegs ist die Einfuhrvon Waren, die im Inland in genügender Zahl vorhanden sind,zu gestatten. Und auch »wann gleich die inländische waareschlechter an güte / oder auch höher an werth seyn solte. Dannbesser wäre / es komme auch einem übel berichteten so seltzamvor / als es wolle / für eine Waare zwey Thaler geben / dieim Lande bleiben / als nur einen / der aber hinaus gehet« 17 ).Wenn wir nach Thesen für den wirtschaftlichen Merkan.