tilismus suchen: hier sind sie! Wie weit sie im allgemeinengültig waren, ist eben gesagt worden, auch dürfen wir nicht ver-gessen, daß das Wirtschaftliche dem Politischen gehorchte.Die Hebung Österreichs war für Hornigk das Axiom, dahergalt es vor allem Geld zu erlangen und jede nationale gewerb-liche Betätigung zu fördern. Die neun Regeln mußten ihm füretwas Selbstverständliches gelten, denn »ihre vernunfftmässigkeitligt für jedem klugen von selbst an tag«. Ja »es seynd alte Sachen. . und gleichsam ein kaufmanns- oder cameralalphabet / das wirlängst gewust haben«. Er will sie jetzt als Maßstab anlegen, umzu prüfen, wie es mit Österreich steht.
Hornigk untersucht deshalb die Beschaffenheit der kaiser-lichen Lande, um zu zeigen, wie sie mit allem gesegnetseien: Edelmetalle gäbe es dort überall, selbst »für den Augender Kayserlichen Residentz«, ebenso die nötigen Lebensmittel,sage doch das Sprichwort: »die Erblande seyen zu Essen undTrincken eigentlich gemacht«, denn alles sei ihnen in Hülle undFülle gewährt: fette Wiesen, schönes Korn, viel Vieh, mannig-fache Fische, edler Wein; besonders Ungarn sei eine »wahreBrod- Schmaltz- und Fleisch-Grube« 18 ). Auch für Kleidung,Wohnung, Gerät finde man alles. Einiges mangele zwar wie »dieWälsche und ander auswärtige Lecker-Bisslein« 19 ), ferner Pelzeund Seide. Aber »wann nun unser Überfluss und unser Mangelgegen einander gehalten werden / so muss dieser letzte gleichsamerröthen«. Das was uns fehlt, können sie entbehren; denn dieErblande sind »weit glücklicher in ihrem Überfluss / als unglück-lich in ihrem Mangel« 20 ). Ein Land aber, das alles so reichlichhat und also unabhängig von anderen ist, ja ihnen noch von seinenSchätzen abgibt, und das dennoch arm ist und ohnmächtig gegenseine Nachbarn, das muß übel beraten sein. Wenn aber jemandeinwende, Deutschland müsse arm sein, da es ihm an gewogenenElementen wie Wasser und Luft und vor allem an der Begabungzu Handel und Manufaktur fehle, so sei zu erwidern, daß dieFranzosen mit Recht über uns lachen, da wir ihnen unser gutesGold und Silber schenken; denn in der Begabung ständen ihnendie Deutschen völlig gleich, das zeigten auch Nürnberg undAugsburg , die noch die einzigen Städte im Lande wären, dieGeld einbrächten. Was aber die Erblande selbst beträfe, so seiihre Blüte vor dem großen Krieg unvergessen. Soll etwa damalsdas Klima anders gewesen sein? Oder waren unsere Väter ge-schickter? Nun »ist der esprit nicht subtil genug neue manu-