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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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facturen zu erfinden oder zu erheben / so lasse man es bey demalten bleiben / und vergnüge sich nur etliche wenige Jahre mitdenen Inländischen Waaren / schliesse denen Fremden die Thürzu« 21 ), dann wird sich der deutsche Geist schon regen.

Nachdem Hornigk so in geistvoller, scharf pointierter Weisedie Gründe für und wider eine nationale Wirtschaftspolitikuntersucht und sich als Vorkämpfer einer solchen in jeder Be-ziehung bekannt hat, geht er nun daran, Anweisungen zurAusführung der oben aufgestellten neun Regeln zu geben,denn, sagt er, »haben derowegen die Kayserliche Erblande zuihrer Subsistenz in ihrem eigenen Hauss die Genüge .... wannsie nur wollen: so kommt uns nun nach obigen Reguln zu unter-scheiden / wie solches Wollen von uns geübet werde« 22 ). Es sollalso zunächst keine Erdscholle unbebaut, keine Anpflanzungunversucht bleiben, wie man in Holland vorgeht. Beispiele hatman am Tabak- und Seidenbau; ebenso ist für die Tierzucht zusorgen und für die Bergwerke. Die zweite Regel verlangt dieVerarbeitung inländischer Rohstoffe. Wir schicken sie aberhinaus, und die Ausländer schicken sie uns fertigfabriziert zurück.»Das ist ie ein unglückseliger / Land-verderblicher und unvergleich-lich mehr als Jüdischer Wucher.« Die Annaberger und Nieder-länder Spitzen werden aus unserm Garn geklöppelt: »und gleich-wohl haben wir Hirn / Augen / Flände wie andere / rohe Materienbesser und mehr als andere« 23 ).Was aber die dritte Regel an-geht, so ist zu sagen: »Dass die Kayserliche Erblande noch ein-mal soviel Inwohner / als würcklich beschiehet / ertragen undernähren könten.« »Krieg und Reformation seynd die beydeGrund-Ursachen gegenwärtigen Ubeistands« 24 ). Aber die Be-völkerung ist eine der wichtigsten Staatsangelegenheiten. Wieaber steht es mit der Befolgung der übrigen sechs Regeln, diedie Hebung des heimischen Gewerbefleißes und das Hinein-ziehen von Gold und Silber bezwecken? fragt Hornigk weiter.Auch ihnen folgt man nicht, muß er antworten. Unser Geld gehtins Ausland, und unnütze Waren führt man ein. Es sollten aberdie »tausenderley . . nichtswürdige Krämereyen / billich von unswie die unreine Geister exorcisirt werden. Dann sie seynd dierechte Pest / und der Würg-Engel unserer Wohlfahrt« 25 ). AlsBeweis zitiert er den flammenden Protest Bechers im PolitischenDiseurs gegen die Einfuhr französischen Tands (s. oben S. 228/29).Zum Muster für Befolgung der siebenten Regel solle Österreich sich die Stadt Leiden nehmen, die durch ihre Manufaktur 10 Millionen